kids and me

... neues vom kinderarzt ...
 
 

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kinder- und jugendärzte werden abgeschafft

also jetzt geht es ein wenig um berufspolitik. wen das nicht interessiert, sollte kurz weiterzappen.

niedergelassene ärzte werden in deutschland nach dem so genannten ebm (erweiterter bewertungsmasstab) bezahlt, d.h. man berechnet für jede leistung, die man erbringt, punkte, die dann am ende des quartals an die kassenärztliche vereinigung weitergereicht werden. ungefähr ein dreiviertel jahr später (!!) weiss man dann, wieviel man für welchen punkt in euro bezahlt bekommt. so ist das. es werden alle punkte aller ärzte eines bundeslandes zusammengenommen und dann wird anteilig das zur verfügung stehende geld der krankenkasse ausgeschüttet. so läuft das prinzipiell. dann gibt es noch abstufungen bei zuviel patienten (behandelt man zuviele, bekommt man diese nicht bezahlt) usw.

nun gut. dieser ebm ändert sich regelmäßig, wird normalerweise entschlackt, vereinfacht, den neuen gegebenheiten der gesundheitspolitik in deutschland angepasst. hatten wir gerade einen neuen ebm im jahre 2004, so gibt es zum 1.januar 2008 schon wieder einen neuen .

das schlimme für uns kinder- und jugendärzte: deren speziellen untersuchungen kommen dort gar nicht mehr vor! das kapitel der allgemeinen hausärzte wurde einfach gespiegelt, mit einer eigenen kinderarztnummer versehen, und gut ist.

hier werden dinge im kinderkapitel gespiegelt, die es bei uns gar nicht gibt (belastungs/langzeit-ekgs, 24-stunden-blutdruckmessungen, polypen-abtragung des enddarms, rektoskopien usw.). dagegen wichtige untersuchungen wie die entwicklungsbeurteilung gehen in pauschalziffern auf. und: den kinder- und jugendärzten wird kein erschwerniszuschlag für kinder zugestanden, den hno-ärzten oder chirurgen aber schon.

dies führt dazu, dass spezielle leistungen nicht mehr von den kassen honoriert werden, diese also mitunter von den eltern selbst bezahlt werden müssen. und: die abgespeckten leistungen können auch allgemeinärzte erbringen, denen die weiterbildung zur kinderuntersuchung fehlt.

in anbetracht der sorge um vernachlässigungen von kindern in deutschland bei bildungs- und sozialfernen familien macht das grosse sorgen: wie sollen dann in den vorsorgeuntersuchungen entwicklungsstörungen erkannt werden, wenn die untersuchungen durch die befähigten kinder- und jugendärzte hierzu nicht honoriert werden? 

bereits jetzt gibt es kaum noch nachwuchs unter den kinder- und jugendärzten in den neuen bundesländern, mit dieser verhöhnung der kinder- und jugendärztlichen fachausbildung wird diese situation, auch in den alten bundesländern, weiter verschärft. großbritannien plant zum beispiel, die ambulante versorgung mit kinderärzten weiter auszubauen, da die normalen allgemeinärzte die speziellen probleme des kindesalters nicht adäquat beurteilen können. und bei uns wird diese versorgung abgebaut.



dialog

sie: "dann krieg ich noch einen hustensaft!" - ich: "ihr kind hat nur eine leichte erkältung, nasentropfen braucht man da, viel frischluft und flüssigkeit." - sie: "aber dann wird´s ja nicht besser." - ich: "doch, hustensäfte braucht man normalerweise bei leichten infekten nicht." - sie: "und warum gibt´s die dann?" - ich: "das sollten sie die apotheker und pharmafirmen fragen. keine sorge, mit hustensaft dauert die erkältung eine woche, ohne hustensaft ungefähr sieben tage." - sie: "aber das ist ja das gleiche." - ich: "eben." - sie: "also ehrlich gesagt, habe ich mir schon einen saft geholt, ich brauch nur noch das rezept." - ich: "tut mir leid, aber rezepte nachträglich dürften wir sowieso nicht ausschreiben." - sie: "wie? und was ist dann mit dem saft?" - ich: "den brauchen sie ja nicht." - sie: "aber ich habe ihn ja bezahlt." - ich: "schon, aber da kann ich nichts dafür, wenn der apotheker etwas verkaufen will." - pause - sie: "mein onkel sagt, ich soll den schleimlöser weitergeben, sonst wirds nicht besser." - ich: "was macht ihr onkel?" - sie: "der ist auch arzt." - ich: "aber keine kinderarzt, oder?" - sie: "ne, allgemeinarzt, aber der kennt sich auch mit kindern aus." - ich: "vermutlich nicht, sonst hätte er ihnen das nicht empfohlen. hat der ihr kind denn mal angeschaut?" - sie: "nein, der wohnt ja in gütersloh. aber wir haben telefoniert." - ich: " --- " - sie: "also bekomme ich jetzt das rezept?" - ich: "nein, ich schreibe nur dinge auf, die ich für medizinisch sinnvoll halte, es gibt genug studien ..." - sie: "jaja." - ich: "tut mir leid, machen sie sich mal keine sorgen, wenn der husten nicht besser wird, schauen wir´s bobele noch mal an." - sie: "wie soll es denn besser werden ohne hustensaft?" - ich: "---"

sie ist nicht nochmal gekommen, wahrscheinlich gehts bobele besser - oder der onkel kam zu besuch - oder ein anderer darf ab sofort diese gespräche führen.

rollenverteilung

war ein sohn mit seinem papa da, der kleine vielleicht 3 oder 4 jahre, hat übrigens schon 3 grosse schwestern, die schon zur schule gehen.

dokter: "na, kevin (oder justin oder tim), heut mal mit dem papa da?" - kevin (oder justin oder tim):  "jaaha, die mama hat ein baby bekommen." - dokter: "mensch, toll, glückwunsch, grosser bruder. und, hast du jetzt noch einen bruder oder eine schwester?" - kevin (oder justin oder tim), stolz: "einen bruder..." - dokter: "super, dann seid ihr ja jetzt schon drei jungs zuhause." (ein zwinkern zum papa). kevin (oder justin oder tim): "ja, stimmt, mit papa sind wir drei." - - - überlegt. dann: "super papi, dann können wir drei ja arbeiten gehen und die frauen bleiben zu hause und putzen."

dialog second effort

vorgeschichte: junge, acht jahre, hustet, schnupft, gestern fieber. heute mittag zum kinderdok. es entwickelt sich folgender dialog mit der mutter - man denkt es kaum, aber es ist nicht die gleiche mutter wie bei dialog no.1

sie: "der hat erkältung, husten, schnupfen, gestern auch total hohes fieber. jetzt brauchen wir was für die erkältung."
ich: "ok, wir schauen ihn mal an." - untersuchung - kind eigentlich fit, hals ein wenig gerötet, ein wenig schnupfen, nichts wildes.
ich: "naja, der ist ein wenig erkältet, nichts arges, keine bronchitis usw. geben sie ihm mal nasentropfen, und vielleicht bleibt er morgen nochmal zu hause."
sie: "nochmal, wieso? der war heute in der schule..."
ich: "moment, das verstehe ich nicht, der hatte doch gestern so hohes fieber, und heute müssen sie immerhin mit ihm zum arzt - und da geht er in die schule?"
sie: "na er wollte doch."
ich: "das kann er nicht entscheiden, entweder ist er so krank, dass er zum arzt muss, dann bleibt er aber auch zu hause, oder eben nicht, dann brauchen sie aber auch nicht zum arzt."
sie: "heut morgen gings ihm doch gut."
ich: "ja, jetzt gehts ja auch."
sie: "na also."
ich: "schon, aber dann hätte er ja auch nicht unbedingt zum arzt gemusst."
sie: "na doch, ich brauch doch was für die erkältung."
ich: "aber das bekommen sie doch auch so in der apotheke."
sie: "aber dann kostets ja geld."
ich: "naja nasentropfen kosten vielleicht 2 euro."
sie: "aber so bekomme ich sie umsonst. und ich zahl schon genug krankenkasse."
ich: "nicht ganz, ihr kind ist ja kostenlos mitversichert. und die untersuchung hier kostet ihre kasse ja nun auch etwas."
sie: "schon, aber mich nicht."
ich: "mir gehts ja auch eher darum, dass er gestern fieber hatte, heute so krank ist, um zum arzt zu gehen, und trotzdem heute morgen in der schule war."
sie: "er wollte eben."
ich: "wenn er morgen sagt, er hüpft in den rhein, würde sie ihn auch nicht lassen. ok, schlechtes beispiel, aber so hat er auf jeden fall mit seiner erkältung alle in der schule angesteckt."
sie: "die sind doch eh alle krank in der schule."
ich: "schon. weil alle meinen, man muss kinder krank in die schule schicken. kein gutes vorbild für später. er ist immerhin erst in der 2. klasse."
sie: "der wollte eben was lernen."
ich: "find ich ja gut, freut mich auch, aber kranke kinder gehören einfach nicht in die schule."
sie: "heute morgen war´s ja nur noch wenig fieber."
ich: "na gut. also jetzt lassen sie ihn morgen mal zu hause, dann kann er sich mal auskurieren."
sie: "und wenn er morgen kein fieber mehr hat?"
ich: " --- "
ich reiche das rezept rüber - nasentropfen - nein, kein hustensaft (siehe dialog no.1)
sie: "und für den husten?"
ich: "er braucht erstmal nur nasentropfen. die lunge ist ja frei."
sie (gewinnendes lächeln): "also ist er ja doch gesund? und kann dann morgen auch in die schule."
da hab ich dann aufgegeben. ich wandte mich dem jungen mann mit der leichten erkältung zu, wünschte ihm gute besserung, appelierte an die einsicht des 8jährigen und bat, dass er sich morgen mal die hausaufgaben vorbeibringen lassen soll.