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u2 - die vorsorge in der 1.woche

ich hatte vor geraumer zeit mal begonnen , die einzelnen vorsorgen, die für ein kind geplant sind, genauer zu erläutern.

hier als jetzt die u2 - die zweite vorsorge innerhalb der 1.woche. meist findet die noch in der entbindungsklinik statt, die meist geburtskliniken entlassen erst nach dieser vorsorgeuntersuchung. in der regel wird diese untersuchung bereits von einem kinderarzt durchgeführt, leider kann das - wie alle anderen vorsorgen auch - allerdings auch jeder andere mediziner tun - ein politikum. naja.

wer eine hausgeburt gemacht hat oder ambulant entbindet, wird meist bei dieser vorsorge das erste mal zu einem kinderarzt kommen.

neben den üblichen maßen, größe, gewicht und kopfumfang, wird in das untersuchungsheft meist auch die stoffwechseluntersuchung ("guthrie-test" ) eingetragen - so sie der kinderarzt oder die hebamme durchgeführt hat. hier wird auf zahlreiche erkrankungen getestet, von bekannten, wie galaktosämie oder schilddrüsenunterfunktion , bis hin zu unbekannteren und seltenen wie die ahornsiruperkrankung, wäre mal ein eigener blog wert. hier wird dem säugling blut auf eine trockenblutkarte abgenommen, die dann in zentrale stoffwechselzentren wie heidelberg oder hannover verschickt werden. und wieder - wie schon bei u1 - bekommt das kind 2mg vitamin k zur vorbeugung von hirnblutungen.

natürlich wirds bobele auch untersucht - und die ersten fragen beantwortet, die die hebamme nicht beantworten konnte, wollte oder noch gar nicht die gelegenheit hatte. wir schauen nach möglichen fehlbildungen, ähnlich wie bei der u1, schauen nach spaltbildungen, herzerkrankungen usw. die reflexe wie greif- und schreitreflex werden überprüft - und, und dies beherrschen nur kinderärzte, die vojta-lagereaktionen getestet. diese halteübungen beeindrucken die eltern immer am meisten - und wir führen sie in der regel bei allen neugeborenen-untersuchungen durch.

am ende steht die aufklärung über das korrekte schlafen auf dem rücken zur vorbeugung des plötzlichen kindstodes, aber auch das passivrauchen des säuglings, beide als hauptrisiken dieses tragischen ereignisses. dann beraten wir zur ernährung des säuglings, natürlich mit propagieren des stillens, aber auch anraten einer adäquaten säuglingsnahrung, wenn´s mit dem stillen nicht klappt. empfehlungen für viel frischluft, zur überhitzung des säuglings durch zuviel kleidung, zuviel heizung und zuviel oma, außerdem zum umgang mit infektkindern, haustieren anderen sorgen runden die beratung ab.

so ist das. mir machen die u2´s immer viel spass, weil die eltern noch unverbraucht sind, ganz offen und freudig in die kommende zeit schauen und sie noch nicht so zugetextet sind von oma, opa, bester freundin, nachbarin, pekip-betreuerin, hebamme oder kinderärzten.




was da so wächst

zitat von kinderdoks bobele beim anblick der ersten krokusse: "guck mal papa, die krokosnüsse."

nur mal so als kurzer einwurf im rahmen des blogs, weils sonst so ruhig wird hier.


die schweizer waren´s

nein, hier geht es nicht um ricola, sondern um die masern.

in der schweiz grassiert eine masernepidemie , die nun auch über die grenze durch berufspendler und touristen gen süddeutschland schwappt, nach münchen und bayern, jetzt auch in baden-württemberg.

nochmals: diese erkrankung ist wirklich ernst zu nehmen, bei der letzten epidemie dieser art in nordrhein-westfalen gab es über 1000 erkrankungen und auch 2 todesfälle. bisher kann man die fälle in den landkreisen noch an den händen abzählen, aber die gesundheitsämter schlagen bereits alarm. für die schweiz wurde eine extra reiseimpfempfehlung herausgegeben - wie perfide, ist doch die impfung sowieso allgemeine empfehlung .

für uns an der basis ist es nur mal wieder frappant, wie die eltern auf diese nachrichten reagieren.

auf der einen die eltern, deren kinder wirklich gefährdet sind: immungeschwächte kinder, kinder mit krebserkrankungen, aber vor allem auch säuglinge im zweiten lebenshalbjahr, deren nestschutz beendet ist, aber die impfung gegen masern noch nicht erfolgen kann. momentan bin ich nur am beruhigen, frühzeitig impfen und aufklären.

zum anderen die eltern, die ihre kinder bewußt nicht geimpft haben. in meiner praxis gibt es davon sehr wenige, da ich sehr rigoros in den impfempfehlungen bin. diese woche aber trotzdem zweimal die gelegenheit, den eltern noch einmal ins gewissen zu reden, vielleicht doch die masernimpfung für ihre schutzbefohlenen durchführen zu lassen.

tolle antworten: "wir fahren doch sowieso über ostern weg..." - oder "tja, da werden wir mal sehen, was die impfung bei den anderen wert ist..." kein kommentar. die leute verhalten sich schlichtweg asozial. impfen ist eine gemeinschaftsaufgabe, wir haben die pflicht, unsere kinder und die kinder anderer zu schützen, und dazu gehört das impfen. wer das nicht tut, soll sich bitte von anderen fernhalten. und nicht, wie auf dem einen wochenendfest geschehen, wo die fiebernden kinder der impfkritischen eltern am nachbartisch saßen - mit masern! und natürlich waren auf dem fest auch ungeimpfte säuglinge. manchmal denke ich, den leuten fehlt der nötige grips. oder aber die sittliche reife und verantwortung, kinder kriegen zu dürfen.


angekommen...

... sind die masern nun auch in meiner praxis. ist zwar ein vertretungspatient, aber auch nicht viel angenehmer. klassischer fall: bobele war als schnupperkind vor knapp zehn tagen im kindergarten und ist dort einem anthroposophisch nichtgeimpften kind über den weg gelaufen, welches drei tage später die masern bekam.

bobele kann nicht mit den normalen impfstoffen geimpft werden, da wohl eine hühnereiweißallergie vorliegt. der eigentliche kinderarzt wollte noch zuwarten - pech gehabt.

bobele zunächst fiebrig, schlapp erkältet, dann über ostern jetzt richtig fette ausschlag bekommen, noch schlapper und krank, erkältung wird schlimmer, er kann kaum noch aus den augen schauen wegen der begleitenden bindehautentzündung. spitze.

ich hoffe nur, ihm bleibt die hirnhautreizung erspart. die meldung ans gesundheitsamt ist raus - damit die aufklärung der infektionsgefahr auch wirklich bei der mutter ankommt, hat das amt die polizei vorbeigeschickt. dabei gehören eher die eltern des oben genannten ungeimpften verhaftet. spässle.

bobele darf jetzt die woche noch zu hause bleiben, ich hoffe, es kommen keine komplikationen. mama ist verständlicherweise stinksauer, verflucht gott, die welt und alle eltern, die ihre kinder nicht impfen lassen. 

achtung gas

"herr dokter, nach zwei wochen propan hat sich am husten nichts getan - und jetzt?"

wer kennt des rätsels lösung? 

achtung gas II

das rätsel ums propan hat in den comments ein paar diskussionen losgetreten über sinn und zweck von "over the counter" - hustensäfte. wer weiter interesse hat an diesem topic und des englischen mächtig ist, hier ein interessanter link zur so genannten cochrane review über sinn und zweck von diesen präparaten.

link.

measles count

praxisintern: 3 (1x hühnereiweißallergie, 1x 9 monate, 1x 12 monate - allesamt noch ungeimpft aber infiziert bei "vorsätzlich" ungeimpft)

ehrlichkeit

setting: kinderdok kommt ins zimmer, mutter mit anderthalbjährigem, auf entfernung schon topfitten jungen. wartezimmer im hinterkopf brechend voll, zehn uhr vormittags, wartende patienten mit echten symptome ca. gefühlte 50 20, mutter hat termin morgens ausgemacht, wegen erkältung.

´s bobele - wie gesagt - quietschgesund, untersuchung ergibt nix außer wenig rotem hals. naja. nun geht´s los:

mama kramt in handtasche.

mama: "ich hab da noch ein paar fragen, ist ja wohl ok?"
genau so, nicht anders. zieht dabei einen zettel mit engbeschriebenen dreißig zeilen heraus.
ich: "nein, ist es nicht."
mama: "äh..."
ich: "tut mir leid, aber das wartezimmer platzt aus allen nähten, wir haben nächste woche die u7-vorsorge, da dürfen sie alle fragen loswerden."
mama: "äh... ich darf jetzt keine frage stellen?"
ich: "gibt´s denn was dringendes?"
mama: "ohja..." und fängt einfach an. es geht um erziehung, um machtkämpfe des kleinen prinzen, um sauberkeit, um ohrenschmalz, um fluorgabe trotz zähneputzens. usw. usw.

gefühlte 2 stunden viertelstunde später:
ich: "jetzt verschieben wir den rest aber auf nächste woche."
mama (flippt aus): "also, das gibts ja wohl nicht, da macht man einen termin aus." (wegen schnupfen, anmerkung des übersetzers), "kommt mit einem kranken kind," (nö.) "und dann darf man nicht mal ein paar fragen loswerden." macht sich entrüstet ans zusammenpacken.

es folgen nochmals gut gemeinte erklärungen meinerseits. naja. für die mutter ist schon alles verloren. nächste woche wird sie alle fragen eh nochmal stellen, wenn sie überhaupt kommt.

arztpraxen müssen heutzutage, damit sie gut laufen, eine recht strenge terminkalkulation fahren. vorsorgen brauchen zeit, keine frage, erkältungen und impfungen eben nicht. das wird im bestellbuch auch entsprechend berücksichtigt. sonst warten kranke kinder zu lange und gesunde haben zu viel kontakt mit kranken.

aber manche menschen sind eben der nabel der welt. ich bin jetzt dran und nutze meine chance. am meisten genervt hat mich die frage, ob sie fragen stellen darf - ach nein, "noch ein paar fragen, ist ja wohl ok?". und sie hat am meisten genervt, dass ich nein gesagt habe.

zum wochenende

zum wochenende ein paar gedanken zum thema kinder von anderen, die die eigenen kinder angreifen, hauen, oder fremde sachen kaputtmachen. darf man da was sagen? zu finden bei ami.

 

ich habe die masern

nein, quatsch. natürlich nicht. aber was einem so durch den kopf geht: an diesem sonnigen wochenende hat mich eine leichte erkältung angeflogen, wenn man dann morgens vor dem aufwachen tranig im bette liegt, dann kommen einem solche gedanken: was wäre, wenn ich jetzt die masern bekomme?

ich habe sie sicher als kind gehabt, aber wie einem diese tagträume so einen streich spielen: ich sehe mich schon mit fleckchen im gesicht darniederliegen. außerdem hätte ich ja letzte woche hunderte von kindern möglicherweise infiziert. wäre wohl eine etwas erhöhter logistischer aufwand, all diese eltern zu informieren.

vielleicht kann man dann seinen job als kinderarzt an die wand hängen. dass man sich sowas mal im wartezimmer holt, ok, aber doch nicht vom behandelnden kinderarzt.

nun gut. ich habe keine masern, nur einen schnupfen, ein hypochonder bin ich bisher auch nicht gewesen - deuten wir es als besorgnis meinerseits um das wohl meiner patienten.