kids and me

... neues vom kinderarzt ...
 
 

verpflichtende vorsorgen

es geistert ja jetzt durch alle medien - wir werden bald verpflichtende vorsorgeuntersuchungen bei den kindern bekommen - die politiker nennen es freundlich verpflichtendes einladewesen oder so ähnlich.

prinzipiell finde ich die idee nicht schlecht, auch wenn der realist in mir sagt, dass man damit keine misshandelten kinder fischen wird. wir kennen alle genug familien, die exakt richtung termin der vorsorge ihre kinder nicht vertrimmt haben, die kinder herausgeputzt werden und alles prima prima palletti ist.

zudem liegen die vorsorgetermine zu weit auseinander - ab einem jahr nur einmal pro jahr - und das auch nur, weil nur endlich die elendige lücke zwischen zwei und vier jahren geschlossen wird - dank des einsatzes unseres bundesverbandes der kinder- und jugendärzte, dem es gelungen ist, bereits in diesem jahr mit den bkk-kassen einen vertrag auszuhandeln, der eine u7a mit drei jahren bezahlt.
aber es bleibt eine lücke zwischen fünf und zwölf jahren! 

meine sorge ist, dass wir als kinder- und jugendärzte zu denunzianten verkommen, das fördert das vertrauensverhältnis zwischen eltern und ärzten auch nicht gerade - gerade bei den belasteten familien aber ein grundstein guter zusammenarbeit. wenn der arzt als kontrolletti auftritt, verkommt die vorsorge vom kinder-tüv zum melde-tüv.

und die letzte sorge: jeder allgemeinmediziner oder internist darf diese vorsorgen durchführen, schon immer. wo bleibt da die qualität? wir kinder- und jugendärzte geniessen mindestens fünf jahre weiterbildung auf diesem gebiet, die erwachsenenmediziner brauchen kein einziges kind zu sehen, um die vorsorgen durchzuführen. hallo? kann das sein? das wäre, als würde ich ab morgen blinddärme entfernen und kinder zur welt holen.

momentan sprechen die medien nur von den verpflichtenden vorsorgen bei den kinderärzten ... aber wird das später auch so sein? wenn jeder hansel kinder untersuchen darf, wie es momentan realität ist, wird die regelung der prävention doch ad absurdum geführt - dann kann auch euer zahnarzt nebenan den check abnehmen. 

20.12.07 13:50

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bisher 6 Kommentar(e)     TrackBack-URL


planeten / Website (20.12.07 15:42)
Das ist ja schlimm, dass Internisten und Allgemeinmediziner diese Vorsorge machen dürfen. Wie kam das denn zustande?

Ich hab mich schon gewundert, dass uns vor Jahren auf einer Kinderfreizeit ein Radiologe als Notarzt geschickt wurde, weil wir zwei Kinder mit hohem Fieber da hatten (Magen- und Darmgrippe, das wurde noch richtig lustig ;-))

Das kann doch echt nicht wahr sein!

Meine Schwester ist Kinderkrankenschwester und die erzählt mir, dass junge Ärzte oft keine Ahnung haben, wie sie die Medikamente bei den ganz Kleinen dosieren sollen. Wenn sie gut sind, dann hören sie auf die Schwestern, wenn nicht...


kinderdok / Website (20.12.07 20:37)
@planeten - tja, lobbyisten würde ich sagen. die macht der allgemeinmediziner ist reichlich gross, wenn es um bestimmungen und dergleichen geht. es gibt eine so genannte weiterbildungsordnung, in der geregelt ist, welche fachärzte welche untersuchungen machen dürfen - damit eben nicht jeder blinddärme operiert.
naja. aber teils gibt es da eben unsinnige dinge, so werden die vorsorgeuntersuchungen bei den "erwachsenenärzten" nicht ausgeschlossen! und das, ohne eben je ein kind gesehen zu haben. versuchen wir kinderärzte aber auch nur einem vater mal in den hals zu schauen, geschweige denn ein medikament zu verordnen, gehen die lobbyisten an die decke. toll, nicht?
deine schwester ist eine schlaue frau ;-) wir jungsche damals haben mehr von den schwestern gelernt als von den oberärzten...


Rose / Website (21.12.07 08:11)
Ohne das Fachwissen einer Schwester herabsetzen zu wollen, gibt es doch schon alleine Ausbildungstechnisch einen Unterschied zwischen einer Schwester und einem Doc.
Es gibt doch inzwischen auf so vielen Gebieten in Deutschland die "Überwachungsmentalität". Der Hund der Nachbarin kläfft zu laut, Frauchen hat den Haufen nicht entsorgt, Kinder zu laut auf den Spielplätzen usw. Als aber vor zwei Wochen hier eine 18-jähirge Überfallen und getötet wurde (in einem Wohngebiet), hat angeblich keiner was gehört. Der mutmassliche Täter (17) wurde inzwischen gefasst.

Ich schieb Dir mal ne Tasse Beruhigungstee rüber. Solange die Pharmacie so viel Sagen in Deutschland hat, wird noch einiges schlimmer werden, befürchte ich


Fallenangel / Website (21.12.07 21:17)
Ich wusste garnicht, dass "normale" Allgemeinmediziner auch die Vorsorgen machen dürfen!

Ich finde die Pflicht allerdings absolut OK, ich mache da gerne mit und ich kenne viele, die das genauso sehen. Klar wird man da nicht wirklich Mißhandlungsfälle aufdecken, aber ich denke wenn Eltern mit ihrem Kind mehr als einmal die vorsorge versäumen (was man ja noch irgendwie kontrollieren will - wie auch immer das gehen soll) dann wäre das so ein Fall, wo das Jugendamt wenigstens mal besuchen sollte.


Matthias (30.12.07 11:22)
@Rose: Unterschätze nicht die "weniger Ausgebildeten". Während die Herren Doktoren jahrelang noch irgendwelche Theorie pauken, sind die Schwestern schon lange im wirklichen Leben drin.

Und das sage ich als jemand, der wahrscheinlich auch mal Doktor wird. Zwar nicht med., aber rer. nat.
Und da haben die Techniker in meinem Institut und den Partneranstalten oft mehr Ahnung von der Praxis als die Doktoren.


laurundizza (25.1.09 13:17)
absoluter irrsinn mit dem überwachen der vorsorgen. mal von den kosten ( porto, papier mitarbeiter) die für diesen "posten" rausgehen abgesehen- menschen, die ihre kinder misshandeln haben es schon immer geschafft, sich irgendwie rauszureden / sich nur schwer erwischen zu lassen. in der regel sind diese familien auch bekannt. es sollte vermehrt in die sozialen einrichtungen / jugendamt investiert werden, damit prävention und familienhilfe da, wo sie benötigt wird, gezielter eingesetzt werden kann. und es sollte beratung und hilfe nicht an ein überwachungssystem gebunden sein. mit "strafe" erreiche ich nichts. in unserer praxis habe ich in den letzen wochen vermehrt verstörte eltern erlebt, bei denen das amt schon in der stür stand ( leider die karte vergessen-zum teil haben auch nicht alle eltern post bekommen), in zwei fällen auch direkt faxe bekommen, in denen wir termine zu bestätigen hatten.-
wo bleibt da eigentlich die schweigepflicht !!!

das nun auch allgemeinärzte die vorsorgen übernehmen sollen... werden die dann auch flächendeckend in ein "nachstudium" geschickt ?
oder fällt die vorsorge dann so aus, wie es eine freundin erlebte . bei der U9 beim praktiker ( bei uns dauert diese vorsorge gut 45 minuten) : " is er gesund ?- steck mal die zunge raus- is noch was ?- dann bis nächstes mal !" sie war nach 5 minuten wieder draussen.