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buchempfehlung

michael winterhoff: warum unsere kinder tyrannen werden 

dieses buch wird bereits sehr kontrovers diskutiert, sieht man auch bei den "rezensionen" in amazon, aber es hinterlässt zumindest ein paar wichtige gedanken:

- einen normale psyche entwickelt sind nicht alleine, sondern braucht führung und begleitung
-  viel fehlverhalten der kinder heutzutage lässt sich auf eine unentwickelte psyche zurückführen
- kinder verharren daher in einer frühen entwicklungsphase, z.B. dem narzissmus
- kinder werden zu partnern gemacht, sind aber kinder
- probleme der eltern werden auf die kinder projiziert, manchmal sogar mit diesen (partnerschaftlich) diskutiert
- kinder sollten wieder als solche behandelt werden, d.h. für winterhoff: kinder brauchen regeln, führung, klare ablaufstrukturen. insbesondere muss ihnen vermittelt werden, was sie tun dürfen und was nicht. kinder können dies zunächst nicht selbst beurteilen (dürfen).

das klingt zunächst mal sehr streng und konversativ, aber nach winterhoffs meinung hat das erbe der 60/70er jahre der antiautoritären erziehung dazu geführt, dass die psychischen entwicklungsphasen des kindes nicht mehr durchlaufen werden und damit kinder "produziert" wurden, die im lustalter verharren und nie lernen werden, was regeln sind.

in jedem fall sehr lesenswert - auch zügig geschrieben und entsprechend lesbar - und für ein paar gedanken in jedem fall gut. 

11.9.08 09:11

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bisher 15 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Lehrerin (11.9.08 11:37)
Diskussionen mit den eigenen Kindern scheinen im Moment ziemlich en vogue zu sein. Das Gefühl habe ich als Englischlehrerin einer 7. Klasse jedenfalls zur Zeit auch häufig. Nicht die kleinsten Grundregeln werden akzeptiert, sondern jede Aufforderung mit einem "Aber..." beantwortet, auf das eine Diskussion folgen soll.
Und ich meine hier wirklich Ansagen wie:
"Setz dich jetzt bitte hin!" - "Aber..."
"Hol bitte dein Englischbuch raus!" - "Aber..."
"Melde dich bitte, bevor du in die Klasse schreist." - "Aber..."
Ich weiß, dass die Kids das nicht böse meinen, aber immer häufiger frage ich mich, wie deren Erziehung zu Hause aussieht, wenn nicht die kleinste Bitte unhinterfragt bleibt.


Frau eines Lehrers (11.9.08 12:44)
@Lehrerin
Und grandios ist auch der Spruch einer Mutter zu meinem Mann (Lehrer):
Ja, dann sagen sie mir doch, was ich mit meinem Kind machen soll. Ich komme mit dem schon lange nicht mehr klar...

*augenroll*

Ich bewundere alle Menschen, die mit diesen "Kröten" arbeiten müssen/dürfen, wie dich, Kinderdok


Steffi (11.9.08 14:29)
das buch ist eines der besten, das ich gelesen habe! und ich steh dazu!


Sterntau / Website (11.9.08 15:18)
Lohnt sich das auch für die Mutter eines Siebenjährigen? (Erstgemeinte Frage)

Diese Diskussionen täglich machen mich irre.


Ute / Website (11.9.08 16:02)
Au weia! Und ich dachte schon, meine in diesem Haus oft gehörte Ansage "Ich möchte das so, also mach' es bitte! Jetzt!" sei der pädagogische Supergau. *g*


Zwergpirat (11.9.08 18:01)
Hoffentlich fällt das Buch all den Eltern in die Hände, die uns Ärgertherapeuten (auf Kosten der Kinderärzte) als Erziehungsfehlerwiedergutmacher mißbrauchen.

Allerdings sind meine Kinder auch Diskussionsfetischisten (4 und 7), aber bisher hab ich mich noch immer durchgesetzt ;-)


ToSiLuHa / Website (11.9.08 19:49)
Danke, kinderdok, für den Tip. Ich werde mir das Buch dann mal gönnen und schauen, was ich besser machen kann. Unser Großer entwickelt sich nämlich auch zu einem kleinen Haustyrannen und ich weiß manches Mal nicht weiter ... Aber lest ruhig selbst. ...
:-)

Schönen Abend noch.


kinderdok / Website (11.9.08 20:00)
ärgertherapeut. sehr nett.


ToSiLuHa / Website (11.9.08 20:50)

Dafür seid Ihr KiDoks doch da.

Wenn es mich weiterbringt, ist mir alles recht.




Sylvia / Website (12.9.08 11:09)
Hallo,

nun oute ich mich mal als stille Mitleserin ;-)

Ich bin Mutter dreier (seriös diagnostizierter) ADS'ler. Dank jahrelanger Therapie und Erziehung (ja, auch diese Kinder werden manchmal erzogen) fallen unsere Kinder in der Schule und im Umfeld nicht unangenehm auf, aber das ist harte Arbeit.

Ich lese nur noch selten derartige Erziehungsratgeber, denn unser Familienleben ist eben nicht so, wie in einer "normalen" Familie, und manchmal gibt es in diesen Büchern nervtötende Seitenhiebe Marke "und dann wird alles auf dieses angebliche ADS geschoben". Deshalb habe ich mir auch dieses Buch bisher verkniffen.

Ein Ansatz, dass Eltern klare Ansagen machen und die Kinder führen sollen, ist aber in meinen Augen absolut richtig. Für ADS-Kinder ist das sowieso unumgänglich, aber ich denke, es tut allen Kindern gut, eine Richtung vorgegeben zu bekommen.

Leider ist das auch in den Schulen heutzutage nicht mehr angesagt. Die modernen Pädagogen verlangen von den Kindern größtmögliche Selbständigkeit schon im Kindergarten, dazu gehört auch, so früh wie möglich, in Projektarbeiten seine Interessen zu finden, die Zeit einzuteilen (-> Wochenaufgaben) und sich Inhalte selbst zu erschließen (-> Referate - heutzutage schon an Grundschulen üblich). Über Ausflugsziele diskutieren die Lehrer heutzutage schon mit Grundschülern, so ein Quatsch. Früher hat eine Lehrkraft das Ziel vorgegeben, und im Normalfall passte das dann auch.

Ja, ich bin relativ streng, das wäre ich auch, wenn meine Kinder kein ADS hätten, aber ich bekomme die Krise, wenn gewisse Besuchskinder bei der Abholung eine halbe Stunde lang von ihren weichgespülten Müttern gebeten werden müssen, nun endlich ihr Schuhe anzuziehen. Ich diskutere ja gerne philosophische Fragen mit den Kindern, aber nicht die Frage, wann wir heimgehen ;-)

Ob ich dieses Buch lesen werde, weiß ich allerdings noch immer nicht.

Viele Grüße, Sylvia


kinderdok / Website (12.9.08 13:50)
ads wird in diesem buch nur kurz gestreift - ich denke, winterhoff wollte gerade nicht auf die mode "ads ist an allem schuld" aufspringen. ansonsten @sylvia - alles so wie du sagst.


Lis.ka (12.9.08 18:52)
Im SR 2 gibt's ne sehr interessante wöchentliche Sendung -> Fragen an den Autor. Unter anderem auch zu "Warum unsere Kinder Tyrannen werden". Den Mitschnitt der Sendung kann man sich hier herunterladen:
http://pcast.sr-online.de/play/fragen/2008-04-21_winterhoff200408.mp3
Die anderen Themen kann ich auch nur wärmstens empfehlen


Sylvia / Website (13.9.08 23:32)
Danke, Kinderdok, DANN werde ich das Buch auch lesen


shortend (23.9.08 10:39)
Es ist ja heute leider oftmals so, das die Kinder in der Familie das sagen haben und nicht die Erwachsenen. Es wird oftmal nicht geschimpft, die Kinder könnten ja einen Schaden davon tragen. Bei uns bin ich der Bestimmer, auch wenn ich oft drum kämpfen muss und auch oft auf meine Anweisungen ein "Wieso?" und "das ist gemein" ernte. Aber ich habe im Endeffekt festgestellt, das es meinen Kindern so besser geht.


Frau Zwölfe / Website (29.9.08 14:12)
Solche Bücher sollten schon in den Frauenarztpraxen rumliegen, damit die Schwangeren sich diese schon durchlesen können, offensichtlich nimmt man seit ein paar Jährchen Kindererziehung nicht mehr so ernst, was dann andere ausbaden dürfen ...

Meine 5 Kinder sind lebhaft, anstregend & frechlieb, aber keine Westentaschenrambos und da bin ich stolz drauf !

Klar diskutiert man mit Kindern, aber alles was wirklich wichtig ist darf nicht diskutiert werden .