kids and me

... neues vom kinderarzt ...
 
 

jedes jahr die gleiche leier

... die grippewelle oder grippige welle, denn die echte grippe influenza wird uns vermutlich erst richtung februar erwischen ... aber wie jedes jahr ein paar wochen, in denen alle, wirklich alle krank werden, und vor allem immer auch vater und mutter rotzend hustend und fiebernd ihre kinder präentieren. und die gesündesten sind dabei meist die kinder.

ich: "na, sie hats aber auch erwischt."
vater: "jaja, ich war auch schon beim dokter. ich bekomm sogar schon ein antibiotika." (sic!)
ich: "und was hat er da behandelt?"
vater: "na, meine grippe, ich hab ja schon seit´m wochenende fieber."
ich: "mmh. ihre jessica-alina-luisa hat sich wahrscheinlich angesteckt, das ist eben dieser grippige infekt, der gerade rumgeht. das sind virusinfekte, bei denen antibiotika nicht helfen. jetzt kriegt sie nasentropfen und was gegen die leichte bronchitis dabei, das ganze wird sicher vier oder fünf tage dauern, dann ist sie wieder auf dem damm."
vater: "aber wenn sie sich angesteckt hat, braucht sie dann kein antibiotika?" (sic!)
ich: "nein, bei viruserkältungen hilft ein antibiotikum nicht. vielleicht haben sie noch zusätzlich etwas, weil sie ein antibiotikum bekommen haben." (erklärungsangebot für den handelnden kollegen im hintergrund.)
vater: "ne, ne, das habe ich wegen der grippe bekommen, damit ich wieder auffe arbeit kann."
ich: "das wird die sache wahrscheinlich nicht abkürzen. grippale infekte dauern nun mal eine knappe woche."
vater: "mmh. ja, bei mir dauerts jetzt auch schon seit´m wochenende. bisher hat das antibiotika (sic!) auch noch nicht geholfen."

ja. genau. usw.
manchmal denke ich, das habe ich letztes jahr schon mal geschrieben, déjà vu wohin man nur vu.

wusstet ihr, dass kinder- und jugendärzte im hausärztlichen bereich die geringste quote an verordnungen von antibiotika haben? während gleichzeitig die quote der ärztlichen konsultationen pro patient im vergleich zu hausärzten am höchsten ist?

13.1.09 18:09

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bisher 14 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Matthias (13.1.09 18:35)
Ärzte, die notorisch Antibiotika verschreiben, obwohl das garnicht indiziert wäre, sollten, wenn es öfter vorkommt, die Zulassung verlieren.

So oft, wie ich schon Patienten mit multiresistenten Keimen gesehen hab, bekomm ich echt Angst.


Anke (13.1.09 20:05)
Da bin ich ja froh, dass meine Tochter wirklich die krankeste (oder kränkeste?) von uns dreien war die uns angesteckt hat.

Mir gibt das gerade zu denken. Ich war nach 2 Wochen ohne Besserung auch beim Arzt und er hat mir ein Antibiotikum verschrieben. Mir gings am nächsten Tag auch schlagartig besser aber wogegen das genau war, weiß ich garnicht. Nur scheinbar hats geholfen, kann es da ganz falsch gewesen sein?
Ich bin überhaupt kein Freund von Antibiotika, ich glaube ich frage da nochmal nach, wogegen das nun genau war.


hajo (13.1.09 20:07)
also Maththias, ob man das Ganze verallgemeinern sollte, bezweifele ich: ich kenne eine ganze Menge Allgemeinmediziner (bin oft unterwegs), die Antibiotika wirklich nur dann einsetzen, wenn's gar nicht anders geht.
Dok, Dir bleibt nur immer wieder die Verbreitung der Volksweisheit: eine Grippe dauert mit Medikamenten 14 Tage und ohne (mit Wadenwickel, Salbeitee und ähnlichem) zwi Wochen.
.. is' halt so!


kinderdok / Website (13.1.09 20:28)
@hajo - und diese weisheit ist auch die antwort auf ankes erfahrung mit dem antibiotikum.


Muckeltiger / Website (13.1.09 21:08)
A propos Grippe:
wenn ich meine Kinder jetzt im Januar gegen Grippe impfen lasse, kann ich mich beim Kinderarzt auch impfen lassen? Kann er das abrechnen? (Kinder privat ich gesetzlich)
Ich frage nur, weil ich im Wochenbett vom Kinderarzt gegen Pertussis geimpft wurde und nicht extra zum Hausarzt musste deswegen.
Wobei ich mir vorstellen kann, dass stillende Mutter mit Neugeborenem ein Indikationsfaktor ist... und Grippeimpfung eben nicht.
Aber praktisch wärs!


lupo (13.1.09 22:30)
Der Plural von Antibiotika ist Antibiotikas, hab ich neulich gelernt...


kelef / Website (14.1.09 05:49)
und die männliche form von antibiotika ist übrigens antibiotiker, ich konnte es gar nicht glauben.

der mündige patient, immer wieder falsch interpretiert von den lieben unmündigen patienten, die dann eine eigendynamische interpretation von medikamenten(ab)usus verursachen. und die einfachsten dinge kennt keiner mehr. wieso fragt man nicht genau warum man was verschrieben bekommt? und was geht mit beipackzettel lesen, da steht auch eine ganze menge wichtiger informationen drinnen, auch der satz "fragen sie ihren arzt oder apotheker!"

ich persönlich mach ja meinen hustensaft selber: im mai die frischen triebe von fichten rücksichtsvoll bei den grossen bäumen an den unteren ästen symmetrisch abzupfen (der baum soll ja nicht ruiniert werden, deshalb auch finger weg von den jungen bäumchen!). von diesen frischen trieben dann immer eine ca .3 cm dicke schicht in ein grosses gurkenglas, mit zucker bedecken, dann wieder triebe, zucker, usw. ein paar wochen hell und warm stellen, durch ein sieb in flaschen füllen, fertig. bei husten drei bis fünf mal einen teelöffel voll einnehmen. statt zucker kann man auch honig nehmen.

für erwachsene den gleichen ansatz mit ein wenig ansatzkorn oder wodka aufgiessen: ergibt auch eine ungestörte nachtruhe. funktioneirt auch mit lärchentrieben und -zapfen.

die zuckermenge ist - ausser für diabetiker - vernachlässigbar. man säuft das ja nicht das ganze jahr über.

ist alles doppelt gesund, btw.: beim einsammeln der triebe geht man schön lange im wald spazieren: bewegung in der frischen luft, und beim einnehmen garantiert keine wechselwirkungen oder unerwartete nebenwirkungen, ausgenommen die sache mit dem alkohol.


Rose / Website (14.1.09 08:00)
Ich hab schon ewig kein Antibiotikum mehr bekommen. Bin auch eher wegen Kontrollen beim Arzt.

Meine Kids haben leichten Schnupfen (wie die Eltern auch), aber nichts tragisches. Etwas verunsichert bin ich allerdings schon hin und wieder, da wir bei unserer Tochter vor drei Jahren eine Lungenentzündung nicht bemerkt haben (und nur durch einen dummen Zufall beim Kinderarzt gelandet sind). Sie hat "ganz normal" gehustet


Matthias (14.1.09 08:20)
@hajo:

"Ärzte, die notorisch Antibiotika verschreiben, obwohl das garnicht indiziert wäre, sollten, wenn es öfter vorkommt, die Zulassung verlieren. "

Wo ist da jetzt genau die Verallgemeinerung? Du musst mir helfen, ich seh da nix. Kann aber auch daran liegen, dass ich meine Brille nicht aufhab, weißt du. Aber das brauch ich eigentlich nicht immer, auf einem Auge hab ich +0,25 und auf dem anderen +2,nochwas. Früher war's mehr, da hatte ich auch beiden +6, aber die Weitsichtigkeit korrigiert sich ja angeblich mit dem Alter. Bei mir funktioniert das wunderbar. Trotzdem darf ich nicht ohne Brille Auto fahren. Hätte ich auch so nicht gemacht, auch wenn ich den Sehtest bestanden hätte, denn mit Brille seh ich dann eben doch besser und es ist weniger anstrengend. Aber auch nur, wenn es abwechselnd geschieht. Den ganzen Tag entweder so oder so ist dann doch zuviel. Brille benutz ich dann z.B. bei der Arbeit und Autofahren und am PC und sonst im Alltag nicht. Aber was wollte ich jetzt sagen, achja die Verallgemeinerung.


Sylvia / Website (15.1.09 13:00)
Bisher hielt ich das für ein Generationenproblem.

Meine Eltern (Mitte 60) finden, dass ich das viel zu lässig sehe und eine völlig unfähige Kinderärztin habe. Die Kinder (drei in relativ kurzem Abstand) wären sonst nämlich nicht in der typischen Neu-im-Kindergarten-und-dauernd-verschnupft-Phase so oft krank gewesen. Rechtzeitig, am besten prophylaktisch, Antibiotika verabreichen, dann passiert nix.

Sie haben sogar schon mehrmals den Hausarzt gewechselt, weil er sich geweigert hat, endlich "richtige" Medikamente (=Antibiotika) zu verschreiben.

Diese Denkweise kriegt man nicht mehr aus ihnen raus, und unter uns - ich kenne auch Lehrer, die so denken.

Die korrekte Singular- und Pluralform ist nun einmal nicht jedem bekannt, das ist das kleinste Problem dabei *find*.


mama schwaner / Website (15.1.09 17:59)
nicht gewusst, aber klingt einleuchtend, wenn man sich mal so umschaut/-hört.

ich finde auch, dass antibiotika von hausärzten viel zu oft und viel zu leicht verschrieben wird (= eigene erfahrung). ich hab es dann ganz einfach nicht eingenommen, weil ich es für unnötig hielt. oft wollte ich einfach nur eine krankschreibung, weil es mir bescheiden ging und die ärztin fragte ganz neugierig nach der farbe des schnupfens. wenn der aber so und so werden würde, solle ich sofort (!) wieder kommen, dann müsste sie mir ein antibiotikum verschreiben. jaja... wegen schnupfen?!

offtopic: aber sagen sie mal, herr kinderdok, wissen sie eigentlich, dass ich seit regelmäßiger lektüre ihres blogs meine - also die der kinder - kinderärztin mit ganz anderen augen sehe. ich hab ihr und ihrem team sogar zu weihnachten eine karte vorbeigebracht und mich bedankt: für die viele geduld, die immer herrschende gute laune, das immer vorhandene offene ohr und die ruhe, auch alles noch einmal zu erklären. auch wenn draußen das ganze wartezimmer voll sitzt und die extra genervten eltern zum zehnten mal fragen, warum denn xyz vor ihnen dran käme, etc. also ehrlich mal: danke


Pharmama / Website (18.1.09 13:23)
"wusstet ihr, dass kinder- und jugendärzte im hausärztlichen bereich die geringste quote an verordnungen von antibiotika haben? "
- Das glaub ich gerne, denn die stellen sich ja auch nicht vor den Arzt und sagen: Ich WILL aber ein Antibiotikum!
Oft sind es die Patienten, die einfach nicht glauben können, dass es da "nichts gibt" und die dann auf dem AB bestehen. Und dann sind es die Ärzte, die sich "um der Ruhe willen" breitschlagen lassen und halt eins aufschreiben. Als Placebo sozusagen.
Also mich ärgert sowas.
(Wenn nur das Problem mit der Resistenzentwicklung nicht wäre, fänd ich das ja nicht so schlimm, aber wir kommen soweit, dass das was wir noch an Mitteln haben nicht mehr wirkt, wenn es soll ...)


Christian / Website (20.1.09 16:08)
Placebos sind eine gute Idee! Könnte man die nicht den Antibiotika-Verlangern verordnen, damit sich keine Resistenzen bilden?


laurundizza (25.1.09 18:09)
... solage es immer wieder eltern gibt, die so lange in der praxis quengeln, bis sie endlich !! was ordentliches (antibiotika) an medizin kriegen, wird es ärzte geben, die diese (schnell) aufschreiben. leider erlebe ich immer wieder, dass kinder so zu funktionieren haben, wie das auto, das man in die werkstatt gibt. ab zum doc-repariert, fertig. und wehe, man muss sich kümmern, bettruhe einhalten, geschichten vorlesen und die einladung zum kaffee mit der freundin absagen...

schön, die situation-mutter kommt in die praxis, heinz-herbert war schon bei fünf anderen ärzten ( die nix können) in zwei tagen und hustet wie ein wolf, bis zum übergeben. in den 20 minuten wartezeit, in denen er laut mutter fast stirbt ( atemnot, 43 fieber- kind spielt vergnügt) hustet er nur 2 x kurz. abhorchen, gute tipps und ein paar nette worte- am nachmittag dann der anruf : " er hat vor einer stunde den hustensaft genommen. der hat nicht geholfen. er hustet immer noch !!!- denken sie nicht, penicillin wäre hier vernünftiger !!!"