kids and me

... neues vom kinderarzt ...
 
 

anspruchsdenken

aus dem bericht eines ergotherapeuten:

"der siebenjährige torben-jonas-silas kann noch keinen hampelmann, kein seilspringen und keinen kopfstand, daher sollte die ergotherapie weiter fortgesetzt werden."

soso.

4.2.09 12:12

Werbung


bisher 14 Kommentar(e)     TrackBack-URL


ulrike / Website (4.2.09 13:09)
Hallo!
Ich bin auch eine aus dieser Branche (Ergoth.), und soweit meine Erinnerung an den Pädiatrie-Teil der Ausbildung es noch zuläßt, geht es beim "Hampelmann" und beim Seilspringen vor allem um die Koordination, gepaart mit Reaktionsvermögen und der Fähigkeit zur gezielten Arm-Bein-Rumpf-Bewegung und Kraftdosierung, die gute Motorik für sog. grobe Bewegungen (Kraftdosierung z.B.) voraussetzt .Gemeinsam für beide Fähigkeiten gilt obendrein, daß ein ausreichendes Raum-Lage-Gefühl und ein ausrecihender Muskeltonus vorhanden sein muß. Ist dies oder eine der anderen Komponenten nicht vorhanden oder beeinträchtigt, bekommt das Kind Schwierigkeiten nicht nur im grob-motorischen (so nicht bereits vorhanden), sondern auch im feinmotirschen Bereich (Folge z.B. für die Ausbildung der Graphomotorik - bei einem 7jährigen Schulkind nicht unerheblich). Um all das zu trainieren, ist pädiatrische Ergotherapie sinnvoll.
Die Kollegin hat sich etwas sehr einfach und auch ungenau ausgedrückt, um es freundlich zu formulieren, die beiden dürren Sätze alleine rechtfertigen sicher nicht die Weiterführung der Ergothereapie. Mein Vorschlag: bei unklaren Angaben immer nachfragen!! Allemal besser als eine Therapie nicht weiter zu bewilligen. Letzten Endes liegt aber die Verantwortung für die Verständlichkeit ihres Befundes bei der Therapeutin, vollkommen klar.
P.S.: ich lese hier öfter, und das mit viel Vergnügen!


kinderdok / Website (4.2.09 13:43)
@ulrike - ja. das war auch nicht der ganze bericht. es ging bei dem jungen auch noch um andere dinge. was mich stört: kopfstand... äh, hallo?
nebenbei hast du hinsichtlich fehlender kommunikation natürlich recht, ich komme mit meinen therapeuten hier super aus und kann mich imgrunde nicht beschweren. ärgerlich finde ich nur immer, dass therapeuten aus allen patienten immer zirkusartisten machen möchten. auch wieder so eine unfaire übertreibung. ;-)


laurundizza (4.2.09 14:16)
grins....kann leider auch kein kopfstand...

kennt jemand einen guten therapeuten ?


Blogolade / Website (4.2.09 15:07)
Ich konnte selbst in der 5. oder 6. Klasse kein Seilspringen, also maximal 2 Umdrehungen hintereinander. War aber ansonsten in allen Bereichen sehr fit.
Wenn ich es mir richtig überlege, kenne ich keinen einzigen Jungen, der Seilspringen konnte (musste).

Kopfstand schonmal garnicht. Handstand auch nicht. Ich schließe mich laurundizza an und frage auch nach einem Ergotherapeuten.

Mein Tochterkind hat mit knapp 17 Monaten erst laufen gelernt, die kann ich dann wohl auch direkt mitnehmen


Rose / Website (4.2.09 15:09)
Ich bin weit über 7 Jahre alt und kann auch keinen Kopfstand. Dafür aber auf einem Balancekissen stehen und zeitgleich einen Flexibar schwingen


Christian / Website (4.2.09 17:10)
Auch ich kann und konnte in meinem ganzen Leben nicht seilspringen. Darüber hinaus habe ich auch keine Ahnung, wozu das gut sein soll. Gebt dem Kind ein gutes Buch und laßt es zufrieden.


Physioblogger / Website (4.2.09 21:05)
Ich kann sehr gut Seilspringen, einen Kopfstand, auf einem Pezziball STEHEN, und habe eine verdammt gute Hand Bein Arme Rumpf und weiß was ich es noch alles Koordination, kann eine Flexibar schwingen...ihr habt ja alle den falschen Beruf!!!

Physiotherapeut werden,.....was anständiges ) Dann sind solche dinge auch kein Thema mehr.

Mit einem kleinen augenzwinkern:

Gruß:

Physioblogger


noumenon (5.2.09 14:31)
was man nicht übt, kann man auch nicht beherrschen. ich war diese woche mit meinem sohn bei der u8 (vier jahre). er konnte da nicht auf einem bein hüpfen. er ist eben gerade in der runterspring-, balancier- und rolle-vorwärts-phase. da hat er schon genug zu toben. ich werde also demnächst mit ihm irgendwas mit ein-bein-hüpfen spielen und schon mal kopfstand üben (augen rollt).

ich seh das auch so, dass manche dinge übertrieben werden. nicht jeder hat für alles talent. nicht jeder muss wirklich alles beherrschen können.

übrigens ist unser kinderarzt recht locker. beim hörtest hat mein knirps wieder mal kein ton über die lippen gebracht. die arzthelferin meinte dann, dass das wohl bei ganz vielen so ist, und die das bei der u9 noch mal machen. wenn ein kind in dem alter recht verständlich spricht und auch sonst kein eindruck von schwerhörigkeit besteht, sollte da alles in ordnung sein.

ich habe mir zum hörtest gedanken gemacht: kann man da nicht an stelle der piepstöne irgendwelche worte verwenden? ich denke, dass kinder vielleicht eher zum nachsprechen animiert werden können, als dass sie so abstrakte aufgaben erfüllen.


laurundizza (5.2.09 19:05)
...also-

nach meiner erfahrung bringt manch 50 jähriger ´s maul nicht auf....und nicht nur aus panik davor, zuzugeben, das zäpfchen gegen fieber ins nasenloch gestopft zu haben (!!!)

wir haben ein wundervolles hörtestgerät. da fährt dann nämlich eine eisenbahn mit kühen und schafen in dem kasten im kreis, wenn man dann den richtigen knopf drückt. und da kapiert schon so manch kerlchen-vor vergnügen quitschend- wie man das ding da in fahrt bringt.
hörtest-das reinste vergnügen ( auch für manche väter-grins)


opatios (5.2.09 23:29)
@laurundizza: Das ist ja mal ne klasse Idee!


vroni (6.2.09 13:23)
....wie rechtfertigt es dann ein Logopädenbericht, in dem gegebenfalls steht :* kann noch kein s, kein sch und kein k!*

Die motorische Fähigkeit der Kinder sollte wirkich nicht ausser Acht gelassen werden. Und wenn ein 7-jähriger all diese aufgezählten Dinge nicht kann, zeigt es doch wirklich ganz besonders deutlich, das er irgendwo ein Defitzit hat ....


Zwergpirat (6.2.09 21:16)
Für so einen Satz im Bericht würde mich meine Chefin rauswerfen. Ich schließe mich der Meinung von Kommmentatorin 1 an, allerdings ist es Aufgabe des Therapeuten, dem Arzt schlüssig und fachlich nachvollziehbar zu berichten. Interessant wäre hier die Diagnose und Zielstellung, also was ist das Problem genau und was soll sich verändern. Manche Kinder lernen nie Kopfstand (klang ja hier vereinzelt schon an) und sind trotzdem nicht therapiebedürftig.
@ Vroni: Ja, all die aufgezeigten Dinge zeigen deutlich ein Defizit. Aber welches? Das Kind geht sicher nicht zur ET, weil es keinen Kopfstand kann, sondern eher wegen Konzentrationsproblemen oder was da sonst noch im Zusammenhang steht. Bericht und Therapieempfehlung sollten schon im Zusammenhang mit der Zielstellung des Arztes stehen.


vroni (7.2.09 14:14)
...die Zielstellung wusste ich nicht


der Landarsch (20.2.09 08:04)
Als ich noch ein ganz junger Landarzt war (Praxis gerademal 4 Wochen), kam einesTages eine junge Mutter zu mir. Die "Lehrerin" ( genaugenommen Referendarin aus der großen Stadt) hätte gesagt, der Junge (gerade in die 1.Klasse eingeschult) bräuchte dringend Logopädie , er würde nuscheln (was tun eigentlich die Lehrer?). Nun, besonders verständlich sprach der Kleine tatsächlich nicht, so rezeptierte ich.
Einige Tage später war ich beim Großvater zum Hausbesuch gebeten - der Weiler abseits von Abseits in der Wildnis. Und siehe da, Der Großvater, die Großmutter, der Vater, die Geschwister (die Mutter kannte ich ja schon), alle hatten genau die selbe Art zu sprechen. Dann kam noch die Nachbarin dazu - auch diese "nuschelte".
Der Kleine durfte weiter zur Logopädie (da hat's ihm gut gefallen), aber müssen wir alle lokalen Dialekte per Logopädie eliminieren, nur weil ein in die Pampas versetzter Junglehrer Verständnisschwierigkeiten hat?