kids and me

... neues vom kinderarzt ...
 
 

rituale

rituale sind etwas wichtiges in der untersuchung, abhören, racheninspektion, ohrenschauen - muss schon sein. wie sinnvoll das jedesmal ist, ist manchmal fraglich. warum soll ich in die ohren sehen, wenn das kind bauchweh hat? warum den rachen anschauen, wenn die eigentliche vorstellung eine warze ist?

aber das wird erwartet. der kinderdokter muss immer die ohren ansehen. "und an den ohren hatter nix?" - "klagt er denn über ohrenweh?" - "ne, aber man weiß ja nie." - genau. man weiß ja nie.

klasse auch die streptokokkenschnellabstriche. kennen die eltern: innerhalb von fünf minuten weiß man, ob wieder mal der scharlachaussatz im kindergarten um sich greift. und bei allen halsweh wird der abstrich dann erwartet. dabei macht ein abstrich nur sinn, wenn der klinische befund uneindeutig ist, also weder beim vollbild eines scharlaches, noch bei blanden halsweh ohne sichtbare entzündungen im rachen.

"dochdoch, letztens hat der hinnerk-justin-rico auch schalach gehabt ohne ausschlag." - soso. - "weil der abstrich war negativ, und das ist ja nicht gut." - aha. - "naja, aber der annere dokter hat dann aber trotzdem nicht mit antibiotika behandelt." - wenigstens etwas.

merke: es ist immer noch der dokter, der entscheidet, wann welche diagnostik fällig ist und wann welche therapie. und: immer pooositiv denken. 

17.2.09 13:31

Werbung


bisher 10 Kommentar(e)     TrackBack-URL


hajo (17.2.09 14:58)
also Kinderdok, wer kennt denn das Kind besser: Du oder die Eltern?
.. also!



Utta (17.2.09 18:07)
Naja, bei mir war es umgekehrt: Warum nur in aller Welt schaut ein Kinderarzt jedes Mal ins Ohr? Inzwischen hab ichs Schulterziehend akzeptiert - es gibt ja viele Erklärungsmuster: Ritual, alte Gewohnheit, Kann-ja-nicht-schaden, Erste-Annäherung-ans-Kind, Orhen-sind-oft-dabei. - Insofern erstaunt mich jetzt die umgekehrte Wahrnehmung zu lesen "aber das wird erwartet. der kinderdokter muss immer die ohren ansehen."


kinderdok / Website (17.2.09 18:54)
@utta - immer eine sache des betrachters. mir wurde diese ohrenguckroutine irgendwann bewußt, dann habe ich sie abgestellt und prompt kamen die beschwerden.


laurundizza (17.2.09 22:34)
nenenene...ohrengucken ist un-be-dingt ! zu machen. besonders, wenn muddi am nächsten wochenende zu besuch will und besser !! man schaut vorher mal, ob heinz-herbert nich doch noch was krecht. wegen anstecken. auch gern genommen, so fünf bis sechsmal die woche ( der kindergarten ist gleich nebenan) schnell mal eben tümpeln ( muss ich nicht erklären, oder ? ) geht schnell, tut nicht weh und tante f aus t bei h hat eh nix anderes zu erledigen, da kann sie doch mal schnell- weil, da is muddi dann ganz sicher, dass heinzi seit gestern nix an die ohren gekrecht hat.
und strepp test - mann, der renner. ab dem dritten kind wirds mit den schwangerschaftstesten doch dünn...da is so ein rosa kreuz im sichtfenster doch ein toller nervenkitzel....( das war satire!)

liebe gruesse und haltet die "ohren "steiff

laurundizza :-)


Frollein Ruppich / Website (19.2.09 09:56)
Ich muss dazu sagen, ich hab keine Kinder, aber wollte mal Medizin studieren. Der Hang dazu ist als eine Art "Hobby" geblieben.

Und in meiner Arbeit habe ich auch so viele Mütter rumsitzen. Die Krönug des ganzen war dabei meine Kollegin. Kind ist 9 und wird bei normalen Husten mit schön Antibiotika behandelt. Ich meinte noch: "Ähm... bist du sicher, was du da deinem Kind antust? Ich meine bei einer Erkältung (Virulente Erkrankung) ein Antibiotikum (Gegen Bakterien) zu geben?" - Sie antwortete dann prompt: "Ja, das ist schon richtig so, sonst geht der ja nicht weg. Und alles andere hilft nicht." ... Aha. Ja sicher. "Und Hustensaft kriegt sie auch immer, das hilft wenigstens" .... *Ja nee, iss klar*

Ich kenns noch aus meinen Kindertagen, ich war auch immer dazu genötigt worden Hustensaft zu nehmen. Heute, als erwachsener Mensch hab ich meine eigenen Mittelchen gefunden, die mich a) nicht mehr all zu schnell krank machen und b) auch ohne Chemie eine Linderung verschaffen. Ein einfacher Löffel Honig tut manchmal besseres als irgendein fieses Präparat. Mich regen solche Mütter, die so den Kindern kaum Freiheiten lassen (du musst zum Tanzen, Flöten, Reiten, Tennis spielen), einfach nur auf.

Mütter dieser Welt: Lasst den Kindern doch ihre Krankheit mal in ruhe auskurieren und vorallem lasst sie doch bitte auch Kind sein!

(Woher ich als Kinderloses Tierchen der Gesellschaft meine Weisheiten nehme? Ich habe knapp 10 Jahre lang mit Kindern gearbeitet, hab Kinderfreizeiten organisiert und mich lange mit den Kids beschäftigt und ihnen vielfach auch einfach mal zugehört. Die meisten davon hatten zu viel "Freizeitstress" und wollten auch nur selten wieder nach Hause, was ich doch sehr erschreckend fand...)


Zwölfe / Website (19.2.09 17:11)
manchmal beschleicht mich die Annahme Herr Kinderdocs Praxis ist voll mit Exzentrikern....können doch nicht so viele Eltern nur doof sein ?


Anett / Website (19.2.09 19:18)
Also meinetwegen müssen Sie nicht in die Ohren sehen, aber unser Sohnemann besteht auch auf eine Ohreninspektion bei Bauchschmerzen.


der Landarsch (20.2.09 08:24)
Habe vor etlichen Jahren mal 'ne interessante/amüsante Studie gelesen über internationale Medizin-Rituale:
- In Deutschland misst man immer den Blutdruck (Deutsche sind fleißig, neigen dazu sich zu überarbeiten und dann geht der Blutdruck hoch)!
- In England wird jeder Patient in der Praxis gefragt, ob er heute schon Stuhl abgestzt habe (na, so schlecht ist die englische Küche auch nicht)
- In Frankreich frägt man beim Arzt traditionell nach dem Befinden der Leber, denn in Frankreich gibt es die (ansonsten im Medizinbereich unbekannte) "crise de foie" (Leberkrise) (man mag sich die Erklärung dazu denken)

Die restlichen Länder habe ich mir leider nicht gemerkt, sie waren aber mindestens ebenso rituell-abstrus


vroni (20.2.09 10:01)
ach...der Herr Doktor stellt also die (Fehl-)Diagnose?!
Na dann bin ich ja froh, das ICH aus dem Schneider bin, als Mutter.
Mir fällt da aus irgendwelchen Gründen das Wort *Macht* ein...komisch oder?


henriette (21.2.09 10:14)
also ich finde es sehr bedauerlich, dass man in deutschland keine "crise de foie" bekommen hat, hoert sich doch wirklich ernsthafter an als zu sagen, oh mann, ich habe es gestern mit dem fressen und saufen uebertrieben und jetzt geht es mir mies, nein, ganz elegant: je souffre d'une crise de foie....

beste gruesse

h.