kids and me

... neues vom kinderarzt ...
 
 

frage und antwort

u7plus, die neue vorsorge, viele kinder machen da nicht richtig mit - und dann entwickelt sich oft ein reines frage- und antwortspiel an die mutter, um die fähigkeiten des bobeles mal zu erfragen.

vorneweg hat´s bobele sich kaum ausziehen lassen, die helferin hatte bei größe und gewicht schon probleme, als ich ins zimmer komme, ist justin-robin-kevin schon wieder angezogen! ("er wollte halt." ot mutter). 

ich: "kann er denn schon auf einem bein hüpfen?"
mutter: "äh, das habe ich noch gar nicht beachtet."
zum bobele: "sachma, justin-robin-kevin, kannst du schon auf einem bein hüpfen."
wtf? bobele schweigt...
ich: "und dreirad oder bobbycar fahren?"
mutter: "naja, das motorische ist nicht so sein ding, aber ein elektromotorrad hatter zum geburtstag bekommen."
ich: "kann er denn schon einfache puzzle?"
mutter: "das haben wir jetzt noch nicht gemacht. aber ich glaube schon, dass er das kann."
ich: "und sich anziehen, oder wenigstens mal ausziehen?"
mutter: "ja, die socken kriegt er schon hin. den rest mach ich dann, geht einfach schneller."
ich: "isst er denn alleine am tisch?"
mutter: "jaa, anfangs schon, aber nach der hälfte fütter ich dann, sonst isster ja gar nichts."
ich: "ok. und wie siehts denn mit der sprache aus?" es folgen verschiedene motivationsversuche, dem jungen mann ein paar worte zu entlocken. keine chance.
mutter: "naja. er ist schon ein bisschen schüchtern." 

usw. usf.

ok. es kann ja mal sein, dass manche kinder mit drei jahren manche dinge noch nicht so gut können. nicht jeder ist ein nurejew oder hambüchen oder walter jens. aber wenn in allen bereichen wenig passiert, hat das was mit fehlender förderung, geistiger behinderung oder vernachlässigter psyche zu tun. letzteres, weil die kinder in ihrer babystatus von 2 jahren oder darunter verharren. meist sind das dann die "schüchternen", "unbegabten", "ungeschickten". aber meist haben sie dann auch noch den schnuller, werden weiter 24/7 gewickelt, am tisch gefüttert.

so wird sich kein kind entwickeln. kind brauchen forderungen, förderungen, anreize, sie müssen aber auch lernen, ihre grenzen zu erfahren, sie müssen lernen, dass sie nicht mehr alles bekommen, was sie als baby immer bekommen haben (essen, wickeln, schnuller). sie müssen größer werden dürfen.

viele dieser regressiven 3jährigen, die noch als baby behandelt werden, leben dann eine ausgeprägte trotzphase aus. das müssen sie auch, denn sie wollen stets überprüfen, ob sie das bekommen, was sie so dringend wollen. und wenn sie erfahren, dass sie eben doch alles bekommen - eben im babystatus gehalten werden - ist für den moment zwar der konflikt vermieden, aber das trotzen nimmt zu, und das kind entwickelt sich nicht.

wenn dann noch der fernseher ins spiel kommt, um das trotzen abzustellen, wird die entwicklung noch weiter gehemmt. die katastrophe ist vorprogrammiert: in der vorschulzeit können dann auch ergotherapie oder logopädie kaum noch etwas erreichen.

viele der kinder werden inzwischen so gross gezogen,  justin-robin-kevin ist nur ein extrembeispiel. aber immer mehr kind sind entwicklungsverzögert, verharren in kleinkind- oder säuglingsverhaltensmustern bis ins schulalter. wie schön, dass das einschulungsalter nach vorne verlegt wurde - so endet die katastrophe dann in der 1. und 2.klasse. und leider dann auch oft in der diagnose ads.

diese gedanken stammen von michael winterhoff, von dem ich hier schon mal berichtet habe, seine bücher "warum unsere kinder tyrannen werden" und "tyrannen müssen nicht sein" sind wichtig für unsere erkenntnisse der kindlichen entwicklung und die zusammenhänge, warum wir die schul- und psycheprobleme bei unseren kindern haben, wie wir sie gerade haben. lesenswert.

24.2.09 09:53

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bisher 17 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Blogolade / Website (24.2.09 10:06)
Mal so aus reiner Neugierde:
Geht Justin-Robin-Kevin in den Kindergarten oder Krippe und kann man da Zusammenhänge in der Entwicklung beobachten? Also entwickeln sich Kindergartenkinder weniger Babyhaft? Dort bekommen sie ja nicht wirklich den Willen, den sie zuhause bekommen.


Michael (24.2.09 10:26)
Das ist schon ein recht extremes Beispiel. Mein Sohn ist knapp 2,5, der bekommt die meisten Sachen die hier gefragt waren, selber hin. Es ist wirkliuch eine Frage der Anforderungen aber auch der Gelassenheit hinzunehmen, das Dinge einfach länger dauern, wenn Kinder sie komplett selber machen dürfen/müssen. Und das halt auch was danebengeht - wie beim essen. Und ich sehe auch immer wieder im Bekanntenkreis, das Kinder, die bereits früh in den Kindergarten kommen, idR weiter in ihrer Entwicklung sind, als gleichalte Kinder, die zu Hause bleiben. Die Anforderungen und auch der Wettbewerb der Kinder untereinander ist doch komplett anders.


Kristina / Website (24.2.09 11:37)
Die wiederholte Überspitzung der Namensqualitäten mag ich besonders an den Beiträgen... Leon-Kevin-Theodor-Jonas
Ist schon seltsam, wie da Seitens der Eltern tatsächlich übertrieben wird und es nicht besonders und mannigfaltig genug sein kann. Dass es sich dann darim aber auch des öfteren erschöpft, ist umso trauriger...
Dass die Familie als Konzept - und damit meine ich nicht die Form, sondern das Wesen - immer leerer wird, ist schon ein deutlicher Effekt - meines Erachtens - und leider... Wie die Mutter in dem Fall, die fast schon jemanden fragen muss, um zu wissen, was ihr Kind kann und will...


Schlapunzel / Website (24.2.09 11:42)
KLeines Veto: Sie sind wirklich der Meinung, dass es "Lehrmeister" wie Winterhoff braucht, um ein Kind auf den richtigen Weg zu bringen?! Ich denke, dazu genügen ein gesunder Menschenverstand und Freude daran, sein Kind zu fördern. Die Eltern, die es nicht schaffen ein Buch mit ihren Kindern zu lesen, werden wohl kaum in der Lage sein, sich nach den Ratschlägen irgendeines Erziehungsratgebers zu richten....Unser Kind darf mit 3 Jahren fernsehen. Es darf auch noch so einiges anderes, was Sie oben negativ bewerten. Dennoch erfüllt es, gerade im motorischen, alle "Anforderungen", schlägt Purzelbäume, fährt Rad usw. Die Sprache finde ich erstaunlich für so einen kleinen Kerl und überhaupt: unser Kind ist toll ;-)
Nein, natürlich wird auch er seine Defizite haben. Aber ich finde es schade, wenn man immer nur mit dem Zeigefinger auf Mängel weist, aber keine Lösungsvorschläge macht, ausser ein Buch zu zitieren...


hajo (24.2.09 12:07)
@ Schlapunzel,
ich denke nicht, dass der liebe Kinderdok Lehrbücher anpreisen will, aber sie können schon hilfreich sein, wenn der gesunde Menschenverstand etwas aus der Mode gekommen und damit in Vergessenheit geraten ist.
Klar ist, dass man ein Kind nicht aufziehen kann wie man eine Suppe kocht oder einen Kuchen backt und Du hast sicherlich recht, wenn Du auf Intuition bei der Erziehung hinweist.
Ich hab damit mitgeholfen, drei Söhne nicht nur körperlich gross werden zu lassen ;-).
Bei den beien Enkeln ist es das Selbe, nur viel entspannter :-D.
Aber unterm Strich darf man nicht alles verbieten, auch das viel gescholtene Fernsehen nicht
.. nur macht es - wie überall - die Menge der "Zutaten".


Andrea / Website (24.2.09 12:26)
Solche Kinder kennt wohl jeder, und ich kenne sie auch aus typischen DDR Familien, wo generell eher autoritär erzogen wurde. Einige Dinge aus dem Buch mögen wohl stimmen, und beim Lesen nickt man auch innerlich oft mit dem Kopf "jaa genau, letztens hab ich das dort und dort genau so gesehen"
aber was mich beim nachdenken darüber sehr stört ist die Ansicht, daß Leben sei praktisch reine Pflichterfüllung, und darauf soll die Erziehung abzielen - möglichst gute Pflichterfüllung in Beruf und im Leben.
Klingt erstmal gut, aber ist es wirklich das warum wir hier sind?
Auch das quasi eintrainierte blinde Folgen von Anweisungen, auf welche das Buch großen Wert legt, finde ich etwas bedenklich. Denn als Erwachsener sucht man dann natürlich wieder Autoritäten ... oder woher soll das eigene Denken als Erwachsener plötzlich kommen?
Mit einem hat er aber wahrscheinlich recht. Der große Luxus ist eine echte Gefahr - und da kommt auch die Disziplin ins Spiel. Lernen dispzipliniert mit Luxusgütern wie Auto, Kinderwagen, Süßigkeiten, Fernsehn, .... umzugehen und dem Kind beizubringen etwas aus sich zu machen und sich nicht nur unterhalten zu lassen.
Wie dem auch sei, schönes Blog und gute Denkanstöße!


Buchstabensalat / Website (24.2.09 13:41)
Hm... Winterhoff.
Ich hab ihn gelesen. Jedenfalls ein Stück weit. Dann ging mir seine Art doch ziemlich auf die Nerven.

Von dem, was in seiner Praxis als Extremfall aufläuft, gleich auf den gesamten Rest der Population zu schließen, und pauschal mehr Disziplin, Strenge und Autorität als Lösungsmittel zu präsentieren, hinterläßt einen Geschmack von Vereinfachung bei mir.
Strenge und Disziplin in allen Ehren, haben ihre Berechtigung und verhindern auch, daß Eltern ihre Kinder vernachlässigen. Wer will, daß Regeln eingehalten werden, muß ja auch merken, wenn sie umgangen werden.
Aber mir schmeckt das alles zu sehr nach blinder Autoritätshörigkeit, nach schneller Abfertigung. Strenge ist sicherlich besser als Gleichgültigkeit, liebevolle Strenge mit wohlbedachten Ausnahmen aber sicherlich noch besser.

Salat


steffi / Website (24.2.09 16:54)
vorschüler die sich nicht selber die jacke zumachen oder die schuhe anziehen können gibt es bei uns im kindergarten auch. wenn ich meiner tochter (6) verweigere, ihr die schuhe anzuziehen, weil sie das ganz prima alleine kann, dann schauen mich diese vorschulkinder-anzieh-mamas immer recht böse an. ganz toll find ich auch immer die 5jährigen, die im kinderwagen sitzen "weils halt schneller geht".

mir macht das manchmal richtig angst! wo das noch alles hinführt? es nimmt nämlich leider rasant zu und das erschreckenderweise nicht nur in bildungsfernen familien.


kinderdok / Website (24.2.09 18:24)
winterhoff ist natürlich ein thema für sich.
er schreibt auch in seinen büchern, dass er eben keinen erziehungsratgeber schreiben will, daher bietet er auch wenig auswege aus der verfahrenen situation (@schlapunzel) -
aber er sieht die sache extremer: als kinderpsychiater ist er nicht um die erziehung besorgt, sondern um die psyche der kinder. er steckt die gefahr weiter: es geht hier nicht um blindes gehorsam - bitte ihn hier nicht missverstehen - sondern um die gestörte psyche des kindes. die kinder werden tatsächlich psychisch krank.

winterhoffs patientengut mag extrem sein - es ist sicher auch selektiert. eine stufe drunter stehen die patienten des kinderdoks - aber auch hier gibt es diese extremfälle.

aber hand aufs herz: man stelle sich mal manchmal neben sich und seine kinder in konfliktsituationen: wer von den eltern hier fühlte sich nicht schon einmal gesteuert durch das verhalten seiner eigenen kinder, wer hat nicht schon mal in epischer breite versucht, seinem kind etwas zu erklären, was letztendlich trotzdem nicht fruchtete? hand hoch.

die lehrer dürfen nicht die hand heben


Tanja (24.2.09 19:10)
Hmm. Also ich habe gemerkt, dass ich bei meinem Sohn (2) bei einem Trotzanfall erstaunlich viel weiter komme, wenn ich ihm die Sache erkläre. Vielleicht nicht in "epischer Breite", aber eben in 2 - 3 Sätzen. Ich bin immer wieder baff, wie schnell er sich dann beruhigt. Konsequenz muss doch nicht heißen, dass man seinem Kind nichts erklärt. (Winterhoffs Buch habe ich gelesen. Sein Ansatz hat mir gar nicht gefallen. Allein schon das Wort "Tyrann" ist doch fehl am Platze. )


Anne (24.2.09 20:27)
!Patientengut! *grusel
Schlimmer ist nur, wenn Lehrer von "Schülermaterial" sprechen, oder?


Ronja (24.2.09 20:35)
Ja, der Winterhoff....wie sagte meine Kollegin in der Kinderarztpraxis, in der wir gemeinsam arbeiten, nachdem ich ihr den ersten Teil geliehen hatte?
"Das muss die Welt erfahren!! Hoffentlich lesen das alle Eltern!"

Auch wir erleben solche Vorsorgen....leider....
Aber ganz ehrlich? Auch wir haben uns in Winterhoffs Beispielen teilweise wiedergefunden.......


Ute / Website (25.2.09 17:33)
Ich bin immer wieder erstaunt. Kinder zur Selbständigkeit zu erziehen macht doch letztendlich auch das Leben der Eltern einfacher. Davon abgesehen sollte ich mal versuchen, meinen zweieinhalbjährigen Sohn zu füttern oder ihm die Unterwäsche und Socken anzuziehen - der würde mir was husten! *LOL*


Sabine (26.2.09 15:45)
Ich kenne solche Kinder, einige Jahre größer, zur Genüge aus meiner Arbeit als Förderschul-Lehrerin und kann Ihren Beobachtungen nur zustimmen (Mädchen, 12, 1,60 m, 93 kg- "ei, sie tritt halt die Türen ein, wenn sie keine Schokolade kriegt" OT) . Ich habe daran- und mit meinen eigenen Kindern gelernt, wie wichtig es ist, Anforderungen (entwicklungsgerecht) zu stellen- wie eben z.B. selber anziehen etc , jeden Tag in Kindergarten/Schule gehen- un d nicht nur, wenn einem danach ist usw usw. Aber ich halte es mit meinen Kindern so, dass die Anforderung klar ist- jedoch immer noch eine Möglichkeit zur Wahl bleibt- z.B. "Willst du dein Zimmer jetzt oder nach dem Fußball aufräumen", "willst du die Schalmütze oder die Zipfelmütze aufsetzen"- keine Diskussion um für mich wesentliche Dinge, aber die Wahl der Zeit, der Art ....- was uns Trotzanfälle bis heute erspart hat. Herrn Winterhoffs erstes Buch habe ich gelesen, fand es aber ziemlich wischiwaschi einerseits und zu einseitig- dann lieber Jesper Juul und das Wissen, dass Kinder kooperieren- wenn ich sie lasse und mir meine eigenen Ziele und Grenzen klar sind - und ich bereit bin, dafür Mühe auf mich zu nehmen: es ist nämlich in erster Linie viel Arbeit, Kevinjustinrobin dazu zu kriegen, sich auszuziehen und mitzumachen- es ist meist unanstrengender, zu sagen "er wollt halt nicht"...
Vielen Dank für die Namenskreationen, über die ich mich auch immer sehr amüsiere- bei uns sinds eher schastina- schakline-schennifer- schdiwen-scharwis....


Janusz (27.2.09 21:57)
Jaja, boohoo, die armen Kinder die von ihren Eltern psychisch kaputt gemacht werden. Was meiner Meinung nach viel zu oft unter den Tisch fällt ist dass die "normalen" Kinder, die von ihren Eltern noch Zurückhaltung und Anstand beigebracht bekommen von den Psychokids dann noch untergebuttert und terrorisiert werden.

Das gabs zwar schon damals bei uns in Kindergarten und Grundschule (ich rede hier von Mitte der 80er), aber als ich meinen Zivildienst gemacht habe hab ich wesentlich mehr davon mitbekommen. Und wenn ich mir hier Kinderdocs Erfahrungen anhöre scheint es nicht gerade besser geworden zu sein.

Aber ist mMn völlig klar... wer beigebracht bekommen hat, dass es sich nicht gehört jemand anderem wehzutun, der wird auch lange zögern oder ganz drauf verzichten das selbst zu machen, und sei es um sich zu wehren.


Sylvia / Website (10.3.09 21:17)
Ach so, ADS ist demnach anerzogen oder eher umgekehrt, das Ergebnis mangelnder Förderung und Erziehung ???


Schäfchen / Website (1.4.09 12:38)
Leider ist es viel zu oft so, dass Eltern ihren Kindern die Handlungsmöglichkeiten nehmen. Und tut man das nicht, dann ist es gerade von älteren Generationen "mangelnde Konsequenz".
So füttert meine Mutter meinen kleinen Schatz. Die Sauerei ist ihr zu viel und dann dauert es auch zu lange- so geht es schneller. Ich dagegen halte Löffel fest und lobe und freue mich, obwohl mein Kind wie ein Ferkel aussieht.
Und auch bei mir hat sie das so gemacht- nun bin ich ganz und gar nicht unselbstständig. Man kann das Problem also nicht pauschalisieren. Dazu kommt diese Masse an Förderungsangeboten: PeKip, Krabbelgruppe, Babyschwimmen. So geht es schon im Babyalter los. Und jede Mutter schwört auf ihr Prinzip. In allem Bemühen das "Richtige" zu tun, gehen viele grundsätzliche Sachen unter- nämlich einfach zu nutzen, was ein Kind von sich aus kann und will.