kids and me

... neues vom kinderarzt ...
 
 

sagmalsachen

älter auf probe

nein, ich werde keinen blogeintrag zum scheinbar aktuell wichtigsten medienthema für fernsehen, kinderärzte, kinderschutzbund, eltern und kinder schreiben: eltern auf probe auffe rtl. nein, da schreibe ich mal erst gar nichts zu, weil, ist doch so: ist doch schon wieder viel zu viel aufmerksamkeit für so eine beschissene fernsehidee. ohja, rtl hat jetzt echt total viel dafür getan, dass den kindern nichts passiert, und die echten eltern konnten auch immer sofort einspringen, und eine expertin ist ja auch anwesend (was die allerdings als expertin auszeichnet, bleibt mir schleierhaft), und rtl hat auch auf die hinweise  der öffentlichkeit, allen voran dem kinderschutzbund, gehört und alles noch ein wenig entschärft. nein nein, darüber schreibe ich nicht.

ich schreibe über mein zappingverhalten von gestern - huch, plötzlich bei rtl hängen geblieben. was sehe ich: einen trailer zu den eltern auf probe. mit viel hintergrundschmalzmucke, kreischenden jugendlichen säuglingen (schwer zu unterscheiden) und einer tussi die heulend in die kamera greint, das kleine monster sei ihr schon so ans herz gewachsen.

...

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weggezappt.

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wartezimmervesper

warum wird eigentlich in der praxis immer gegessen?

naja, ok, nicht immer. typische blog-übertreibung. aber warum schaffen es eltern nicht, mit ihren kindern irgendwo hinzugehen, ohne ihnen ständig eine semmel, eine brezel, einen keks, ein gummibärchen in den mund zu stopfen? warum können eltern sich nicht anders mit ihren kindern beschäftigen?

man kann sich nicht vorstellen, wieviele krümel im wartezimmer verteilt werden, wie oft ich in ein untersuchungszimmer marschiere und simona-tyra-tschakelin matscht eine banane auf dem wickeltisch.
klasse auch im sommer erdbeereis, oder rote lutschbonbons.

"im hals hat sie nichts?"
"doch - brezelkrümel und gefärbte tonsillen."

keine ahnung, ob das unhygienisch ist, in der arztpraxis zu essen, ich persönlich finde das schon. aber noch ärgerlicher finde ich das verteilen der essensreste in den räumen, die apfelreste im papiermüll und die kekse in den ritzen der säuglingswaage.

warum kann man nicht zu hause essen und trinken? warum kann man nicht ein buch mitbringen zum zeitvertreib oder spielzeug? unsere wartezeiten sind nun wirklich nicht solange, dass der hungertod droht.  

von den nuckelfläschen mit den klebrigen zusammengekehrten obstresten in flüssiger form multivitaminsäften möchte ich gar nicht erst anfangen. oder den zweijährigen mit kaugummi in der gosch. wie sagte der hno-kollege damals: "es gibt nichts schöneres, als einen hubbabubba aus dem rechten hauptbronchus zu ziehen."

uff. so. das musste ich heute mal loswerden, nachdem ich einen abgeleckgten lolli von der wickelauflage geklaubt habe. 

passiv handy

er hat die ganze zeit sein klapphandy am ohr und spricht in lauten wortsalven auf den gegenüber ein - sprache irgendwie russisch polnisch suaheli - könnte aber auch schwäbisch hessisch berlinisch sein, ist doch austauschbar. zwischendrin macht er pause, drückt umständlich auf den tasten des handys herum, um sekunden später wieder lautstark ein telefonat zu führen.

platziert hat er sich auf einem der bänke, die rund um den sandkasten aufgebaut sind, breitbeinig, zurückgelehnt, den handyarm lässig auf die lehne der bank gestützt, die rechte - kippequalmend - wird ab und an in theatralischen bewegungen gefuchtelt. als sehe der andere diese gestiken. 

pepi-ivan-moritz versucht währenddessen, die treppe der rutsche zu erklimmen. auch wenn man ihn nur von hinten sieht, erahnt man den schnodder, der ihm aus der nase gen mund rinnt, erahnt man die nuckiflasche mit dem undefinierbaren orange-grellen multivitamingesöff, welche geschickt zwischen den zähnen getragen wird, weil die hände schließlich zum klettern benötigt werden.

er schafft es nicht. die sechsfach-tasking-kiste mit händen und füssen, schnodder und flasche ist einfach zuviel für ihn. irgendwann gibt er frustriert auf, schwäche überkommt ihn, und er setzt sich auf den hosenboden. ein kurzer blick zu handy, seine augen füllen sich mit tränen, laufen über die wangen, vermischen sich mit dem schnodder. erst leise dann lauter weint er.

handy blafft etwas ins telefon, hält den hörer an die brust, hebt die bekippte hand, streckt den arm gen pepi-ivan-moritz und blafft in diese richtung. sprachlich unverständlich, aber sicher im sinne von sich-nicht-so-anstellen oder heul-nicht. ohne erfolg natürlich. handy murmelt nochmal etwas in dasselbe, klappt es dann tatsächlich zu - hoffnung keimt auf - und erhebt sich.

mit breiten schritten geht er auf pepi-ivan-moritz zu, der ein wenig stiller wird in seinen bemühungen, handy hat jetzt beide hände geöffnet und hält sie dem jungen entgegen. tiraden über tiraden kommen aus seinem mund. eher harte worte, kein weichen, tröstenden.

pepi-ivan-moritz ist trotzdem froh, das sein vater (!) bei ihm ankommt. der hebt ihn auf die füsse, wischt mit dem ärmel seiner bomberjacke gleichzeitig über augen, nase und mund des kleinen. immerhin senkt er etwas die stimme.

nimmt ihn an der hand und geleitet ihn hinüber zu der kleinkinderschaukel, die mit dem sicherheitssitz. pepi-ivan-moritz steckt sich wieder die nuckiflasche zwischen die zähne, trotz greinenden augen sieht er ein wenig zufriedener aus. und er schubst die schaukel mit seinem sohn (!) tatsächlich an.

zieht das handy aus der jacke, und geht im multitasking auf: rechte hand schubst pepi-ivan-moritz an, mit der linken hält er das handy ans ohr und spricht hinein, mit kippebewehrter verqualmter stimme. irgendwie russisch polnisch suaheli - könnte aber auch schwäbisch hessisch berlinisch sein, ist doch austauschbar.

 

rituale

rituale sind etwas wichtiges in der untersuchung, abhören, racheninspektion, ohrenschauen - muss schon sein. wie sinnvoll das jedesmal ist, ist manchmal fraglich. warum soll ich in die ohren sehen, wenn das kind bauchweh hat? warum den rachen anschauen, wenn die eigentliche vorstellung eine warze ist?

aber das wird erwartet. der kinderdokter muss immer die ohren ansehen. "und an den ohren hatter nix?" - "klagt er denn über ohrenweh?" - "ne, aber man weiß ja nie." - genau. man weiß ja nie.

klasse auch die streptokokkenschnellabstriche. kennen die eltern: innerhalb von fünf minuten weiß man, ob wieder mal der scharlachaussatz im kindergarten um sich greift. und bei allen halsweh wird der abstrich dann erwartet. dabei macht ein abstrich nur sinn, wenn der klinische befund uneindeutig ist, also weder beim vollbild eines scharlaches, noch bei blanden halsweh ohne sichtbare entzündungen im rachen.

"dochdoch, letztens hat der hinnerk-justin-rico auch schalach gehabt ohne ausschlag." - soso. - "weil der abstrich war negativ, und das ist ja nicht gut." - aha. - "naja, aber der annere dokter hat dann aber trotzdem nicht mit antibiotika behandelt." - wenigstens etwas.

merke: es ist immer noch der dokter, der entscheidet, wann welche diagnostik fällig ist und wann welche therapie. und: immer pooositiv denken. 

türschilder

dinge, die ich gerne manchmal von außen an die praxistüre schreiben möchte:

- liebe eltern, wenn ihr kind fieber hat, husten, schlapp und müde ist, und alle anderen im kindergarten und schule das auch haben - kann ich auch nichts tun - das ist grippe und dauert 1 woche. dann dürfen sie sich gerne nochmal melden.

- liebe eltern, wenn sie gestern nacht in der kinderklinik waren, weil ihr kind seit einer stunde fieber hatte, kann ich heute auch nicht mehr erkennen als der verschlafene kollege in der nacht.

- liebe eltern, heute keine sprechstunde für gesunde kinder, die sehe ich nämlich in zwei tagen wieder als kranke kinder.

- liebe eltern, wenn ihr kind vor zwei tagen schon mal da war am fieberbeginn, und es heute noch nicht besser ist: machen sie alles, wie damals besprochen und kommen sie nach 1 woche fieber wieder.

- liebe eltern, heute keine warzen-, bauchweh seit zwei monaten- , aufmerksamkeits- oder mein kind hat diese komischen pickelchen-sprechstunde. wir sind mit grippigen infekten ausreichend ausgelastet.

- liebe eltern, nein, fieber seit zwei tagen über 39 grad beeindruckt mich momentan nicht.

- liebe eltern, wenn der dokter heute etwas blass ist, vor sich hin brummelt oder etwas kurz angebunden ist - nehmen sie das bitte nicht persönlich. im sommerloch ist dann mal wieder zeit für ein schwätzchen.

 

ich übertreibe. das alles gilt nicht für säuglinge (außer dem dritten punkt), aber vor allem für jugendliche.

und natürlich schreibe ich das nicht an die tür, aber lust hätte ich dazu manchmal schon. solche visionen hat man eben nach 12 stunden arbeit und über hundert patienten.

anspruchsdenken

aus dem bericht eines ergotherapeuten:

"der siebenjährige torben-jonas-silas kann noch keinen hampelmann, kein seilspringen und keinen kopfstand, daher sollte die ergotherapie weiter fortgesetzt werden."

soso.

rausgerutscht

"äh, darf ich auch mal an ihr kind ran?"

... ist mir heute so rausgerutscht, nachdem die mutter in epischer breite die laufende nase ihres sprösslings referierte ("schon seit 2 tagen, herr dokter!!" ), und ich zur untersuchung des kindes überwechselte. ich habe zwar recht breite untersuchungsliegen, aber ich kam an der nonverbalen schutzmauer aus mutterrücken, kindbegrenzenden mutterarmen und kuschelkreis nicht vorbei. jeweils nach den abteilungen a) abhorchen vorderseite, b) abhorchen rücken c) ohreninspektion und d) racheninspektion wurde dieser wall der undurchdringlichkeit wieder eingenommen. sehr anstrengend.

achsooo

"achso, sie haben mittagspause - war das schon immer so?"
"achso, um 20 uhr sind sie nicht mehr in der praxis wegen eines termins?"
"achso, wenn sie notdienst haben, sind sie nicht immer in der praxis?"
"achso, die praxis ist schon geschlossen?" (um 18.30 uhr, untersuchungsräume dunkel, nur in meinem büro brannte noch ein licht.)

so isses. wir sind nämlich normale menschen und keine arbeitszombies, die in der praxis nächtigen und auf dem trocken-esbit-kocher unsere süppchen zubereiten. 

ähnliche aha-erlebnisse für eltern: 

"achso, ich brauche die versichertenkarte, wenn ich ein rezept holen will?"
"achso, die impfung wird im impfbuch eingetragen?"
"achso, das vorsorgeheft. stimmt, für die vorsorge heute brauche ich das vorsorgeheft."

usw. 

 

schlitterbahn

auf dem weg vom mittagessen zurück in die praxis.
bobele no.1: "find´ch doof, dass die hier überall streu´n, wo die kinder doch ihren spass haben woll´n beim schlittern."
bobele no.2: "aber für die omas ist das doch, sonst rutschen die aus."
werden meiner gewahr.
bobele no.1: "kuckmal, da ist der kinderdok, der könnt doch dann den omas helfen."
bobele no.2: "neee, der macht doch nur kinder."


ruf doch mal an

viele eltern haben den wunsch, nur eine kurze beratung zu bekommen, oder dinge ohne kind zu besprechen usw. nicht immer müssen sie dafür natürlich in die praxis kommen.

daher bieten die helferinnen auch gerne an, dass ich mutter/vater abends oder in der mittagspause mal anrufe. aus erfahrung wurden wir klug, daher wird immer nochmal die telefonnummer überprüft, die in der karteikarte steht, und auch eine genaue rückrufzeit vereinbaren wir immer. sonst muss mama ewig zu hause sitzen und warten.

denkste.

meine bauchstatistik sagt, dass zwei von drei zu tätigen rückrufen nicht funktioniert, weil a) ständig besetzt ist oder b) überhaupt keiner erreichbar ist und c) ein anrufbeantworter geschaltet ist, der soo unverständlich besprochen ist, dass man dort auch keine medizinischen details aufquaken will.

also habe ich mir für mich eine konsequenz zurechtgelegt: ich versuche es tatsächlich dreimal im abstand von 20 minuten, dann am folgetag nochmals zur gleichen zeit und dann ... pech. menno.

dennoch: die statistik bessert sich dadurch nicht. und der hammer: von dieses 2 von drei beschwert sich dann noch einer, dass ich nicht angerufen habe. danke.