kids and me

... neues vom kinderarzt ...
 
 

infosachen

residenzpflicht

hinter diesem urdeutschem wort verbirgt sich die verpflichtung eines niedergelassenen arztes, nah an seiner praxis zu wohnen, diese also auch schnell im notfall erreichen zu können. in den meisten kreisen ist die notfallversorgung so geregelt, dass der hausarzt auch zu nachtzeiten stets seine patienten versorgen muss, idealerweise in seiner praxis.

wochenende und feiertage, oft auch die abende, werden sicher auch vielerorts durch notdienste abgedeckt, aber die müssen von den ärzten selbst organisiert werden. wer keine vertretung angeben kann, muss selbst für seine patienten da sein.

und dafür gibt es die regelung der residenzpflicht . momentan geht die rechtsprechung übrigens soweit, dass man innerhalb 30-45 minuten seine praxis erreichen sollte. frühere regelung gingen von 15 minuten aus, manchmal auch von 10 kilometern, beides ist gekippt worden, zum einen, weil man in manchen ballungsräumen in der hauptverkehrszeit länger braucht als eine halbe stunde, zum anderen, weil schlicht die wohnsituation überall schwieriger geworden ist.

patienten sehen das natürlich anders:

mutter: "ja hallo, wir würden dann gerne mal vorbeikommen."
ich: "wer spricht denn da und was hat denn ihr kind?"
mutter: "achso. hier ist reinhardt-liebrecht-cakmak, mein kind, der ist fünf, hat seit einer stunde fieber."
ich: "und wieviel?"
frau reinhardt-liebrecht-cakmak: "... habe ich nicht gemessen. ich komme dann trotzdem mal vorbei."
ich: "gute frau, ich kann ja ihre sorge verstehen, aber es ist zwei uhr nachts."
frau reinhardt-liebrecht-cakmak: "aber sie haben doch jetzt bereitschaft."
ich: "...rufbereitschaft. jetzt messen sie erstmal fieber, wenn der kleine wach ist und geben ein zäpfchen, wenns sehr hoch ist."
frau reinhardt-liebrecht-cakmak: "jetzt schläfter grad."
ich: "na, dann lassen sie ihn sowieso mal in ruhe, dann brauchen sie auch kein fieber messen."
frau reinhardt-liebrecht-cakmak: "sag ich doch, hab ich ja auch nicht. kann ich nicht doch kommen?"
ich: "ihr sohn schläft seelenruhig. da passiert jetzt nichts. falls er wach wird, können sie ja mal messen. zäpfchen. und morgen schauen wir ihn an. ok?"
frau reinhardt-liebrecht-cakmak: "ok. danke. jetzt haben sie mich etwas beruhigt. ich dachte nur, ich ruf mal an, weil sie doch unter der nummer erreichbar sind. sind sie dann morgen früh noch in der praxis?"
ich: "ich bin nicht in der praxis. ich bin zu hause.... ich liege im bett."
frau reinhardt-liebrecht-cakmak: "oh... ok... gute nacht." 

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ohne kommentar

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s´bobele läuft!

was ich schon immer mal zum laufenlernen sagen wollte:

- laufen kann ein kind frühestens mit 9 monaten
- laufen sollte ein kind mit 18 monaten
- alles andere dazwischen ist normal!
- man muss nicht krabbeln können, um laufen zu lernen.
- laufen lernt man am besten barfuss oder mit socken - schuhkaufen erst, wenn das kind fünf schritte alleine macht (ja, auch bei vier schritten.), das spart geld.
- mit nike-adidas-reebok lernt man nicht schneller laufen, auch wenn die schon im kreißsaal angezogen werden.
- das laufen können kommt zuerst, das laufen wollen später.
- lauflernhilfen sind kein euphemismus , sondern sarkasmus , weil damit kinder später laufen lernen. wenn sie sich nicht vorher ein loch in den kopf holen.
- kinder laufen immer zuerst mit einem plattfuss, mit eingedrehten füssen, mit o-beinen, mit knickfüssen. sie können nicht anders, weil das die anatomie gar nicht anderes hergibt.
- einlagen sind was für den geldbeutel des medizintechnikers oder die befriedigung des älteren orthopäden, helfen tun sie nicht.
- das gleiche gilt für lauflernschuhe.
- wer laufen kann, muss auch laufen, der buggy darf im keller verschwinden.
- wer laufen kann, rennt auch gerne. gerne auch über die strasse.
- dauerhaft laufen kann nur der, der dies vorgelebt bekommt.
- laufen verlernt man, wenn der buggy direkt durch das dreirad mit schiebestange abgelöst wird.

weitere infos

varizella in mallorca

ich: "das sind windpocken."
mutter: "aber wir fliegen morgen nach mallorca."
ich: "das wird nicht gehen. wenn sie so morgen auf den flughafen gehen, darf man sie nicht an bord lassen. ihr sohn ist ansteckend."
mutter: "mmmh. aber er hat das doch schon seit letzten donnerstag."
ich: "ja, aber windpocken sind mindestens eine woche nach beginn ansteckend. also morgen auf jeden fall noch."
mutter: "äh ... wenn ich mir das genau überlege, hat er´s auch schon am dienstag gehabt."
genau, und außerdem kenne ich den sicherheitsdienst-chef des flughafens.
ich: "naja. das geht einfach nicht. haben sie denn keine reiserücktrittsversicherung?"
mutter: "nö. wozu?
zum beispiel, weil kinder immer gerade vor dem urlaub krank werden.
mutter: "haben wir bei unseren vier kindern nie gebraucht."
aber jetzt.
ich: "sind die anderen denn geimpft?"
mutter: "nein. wozu? windpocken sind doch harmlos. man muss ja nicht alles impfen. unser kinderarzt hat davon immer abgeraten."
ich: "also bekommen vielleicht die anderen auch die windpocken, wenn sie jetzt zwei wochen auf malle mallorca sind?"
mutter: "achso. na, mal sehen."
ich: "ich schreib ihnen was auf für den juckreiz. und denken sie dran, ihr sohn ist noch mindestens drei tage ansteckend."
mutter: "jaja."
ich: "wenn sie was für eine umbuchung brauchen, melden sie sich, dann schreibe ich ihnen was."
mutter: "mmh. ok. mal sehen."

mal was von der pharmaindustrie

das finde ich schon ein starkes stück: ich hatte mich schon immer gewundert, warum ein kind aus dem krankenhaus immer die teuersten medikamente mit nach hause bekommt. so genannte generika (also gleicher wirkstoff, niedriger preis) tun es in der regel bei medikamenten für kinder (meist antibiotika) ja auch.

die pharmaindustrie beliefert die krankenhausapotheken mit neuen innovationen, welche aber für absolute spottpreise angeboten werden. beispiel: blutdruckmedikamente gibt es in massen, und es gibt ständig neue medikamente. eine volkskrankheit gibt das eben her.

ergo: der krankenhausapotheker kauft extrem günstig ein - er muss ja auch mit seinem budget auskommen - der stationsarzt kümmert sich nicht darum und schreibt das medikament weiter, auf den arztbrief, in der abschlussbesprechung - und der niedergelassene draussen führt diese behandlung fort - um den patienten nicht zu verunsichern, oder aus angst, eine umstellung könnte den therapieerfolg gefährden.

nur: meist sind die neuen medis aber in der wirksamkeit nicht viel besser als die alten. und: "draussen" ist das neue medikament gnadenlos teuer, panorama berichtet von einem unterschied von 1 euro pro packung, die der krankenhausapotheker bezahlt, zu 135 euro, die die packung am freien markt kostet.

wow, oder? das nenne ich geschäftstüchtig, oder auch sittenwidrig.

aber das ist wieder einmal eine crux unseres gesundheitssystems: krankenhaus-medizin gilt bei patienten als nonplusultra im knowhow, es gibt strahlendweiße chefärzte, eine klare hierarchie, viel geräte, das macht eindruck - was aber vermutlich vor allem für die unikliniken zutrifft. der niedergelassene hingegen ist eher der vermeintlich unwissende und schlecht fortgebildete mediziner, barfußmediziner geschimpft.

also ist das medikament aus dem krankenhaus auch das einzig richtige, weil von dort verordnet, und auf diese masche setzt die pharmaindustrie. versuch mal, ein mutter zu überzeugen, dass das medikament, das du verschreibst, gleiche wirkung hat, wie das aus dem krankenhaus. "ich will aber genau das."

in der kinderheilkunde ist es meist nicht ganz so extrem - kinder taugen auch nicht so für innovationen - da gibt die industrie eher wenig geld aus. hier gibt es nur ständig neue medikamente mit gleichem wirkstoff, eben die generika.

viele kliniken sind daher freundlicherweise dazu übergegangen, auf den entlassbrief nur noch den wirkstoff des medikamentes zu schreiben, wenn der niedergelassene arzt dann das medikament fortführen will, kann er zu einem entsprechenden günstigeren mittel greifen, welches die gleiche wirkung hat.

hier der beitrag aus der panorama sendung in der ard. 

herr geiß aus köln

war eine tolle reportage mal aus dem zdf - und kollege geiß darf als altgedienter kollege auch entsprechend deutlich werden in seinen aussagen.


nur das mit den bonbons, da müssen wir nochmal drüber reden. ;-)

 

schweinegrippe II


danke an (c) xkcd - per dekret auf der seite erlaubt, diese cartoons auf anderen blogs hotzuverlinken.

schweinegrippe

dooooch. jetzt schreib ich auch was dazu.

interessant finde ich, dass aus der bösen schweinegrippe inzwischen die neue grippe bzw. die mexikanische grippe geworden ist. zum einen ist das natürlich eine geste vor den armen viechern, die für den viruserreger nun überhaupt nichts können. und nach neuesten meldungen hat ja tatsächlich in england eine mensch zu schwein infektion stattgefunden. das schwein an sich ist nun auch spätestens seit animal farm eher in verruf geraten als böses böses unterdrücker-schwein. das arme tier.

aber der eigentliche grund ist wohl eher, dass der schweinefleischverzehr nicht vollends in die knie geht. ich sehe schon die lobbyisten der bauern bei der gesundheitsministerin vorstellig werden, ob man nicht den namen geändert haben könnte. und prompt gelingt das. gibt es da eigentlich eine presseerklärung, die herumgeschickt wird "die bundesregierung bittet alle rundfunkanstalten, ab sofort den begriff der schweinegrippe nicht mehr zu verwenden und lieber von der neuen oder der mexikanischen grippe zu sprechen" ??

zumindest scheint mexiko eine schlechtere lobby in deutschland zu haben als die schweine.

bei uns in der praxis ist die schweineneuegrippe noch nicht angekommen, also weder physikalisch noch virtuell. ich hatte schon befürchtet, dass wir draussen an der virenfront beruhigend auf die bevölkerung einwirken müssen, jeden kleinen rotz als h1n1-fall zu entlarven. das einzige war ein anruf nachts um 2, als eine junge mutter meinte, ihr drei monate säugling mit 38,2 temperatur sei nun durch schweine infiziert. aber so etwas lässt sich durch eine "gezielte diagnoseweisende anamnese" - wie mein alter chef immer sagte - ausschliessen.

also warten wir. und reden hochprivaten eltern aus, tamiflu zu bunkern, um ihre sprösslinge zu schützen. wer jetzt meint, vorräte an antiviralen medikamenten anlegen zu müssen, gefährdet die versorgung im wirklichen notstandsfall. und zementiert die zweiklassenmedizin.

wirds ausgehen wie die vogelgrippe? solange nicht die schweine gekeult werden. aus mexiko hört man schon einen rückgang der erkrankten, andererseits berichtet die who gestern vom tausendsten erkrankten weltweit. jeder mikrobiologisch geschulter kennt die dynamik von losgelassenen viren, wir erleben das ja leider alljährlich bei den kleinen masernepidemien der ungeimpften - übrigens gab es 2008 durch den masernvirus alleine in bayern über 300 erkrankte (rekord in diesem jahrtausend allerdings 2001 mit über 2000 masernkranken, damals auch 2 todesfällen). was ist da schon die angst vor der swine flu?

ernsthafte infos nur hier 

 

kinderärzte im focus

zwei sehr engagierte kollegen aus münchen werden online im focus, also focus-online interviewt und porträtiert, sehr lesenswert.

take a look.

schade nur, dass neben den vielen positiven kommentaren im anschluss an den artikel leider auch wieder die blogtrolle ihr unwesen treiben: natürlich findet sich wieder einer, den das jammern auf dem angeblich so hohen niveau missfällt, und einer, der tatsächlich bezweifelt, dass kleinkinder 8-10mal im quartal in die praxis kommen - hier vermutet der schreiberling *zitat* übertreibungen oder evtl. interessengesteuerte angaben *zitat*. tja, da kommentiert eben einer, der keine ahnung hat, was in kinderarztpraxen abgeht.

jedes jahr die gleiche leier

... die grippewelle oder grippige welle, denn die echte grippe influenza wird uns vermutlich erst richtung februar erwischen ... aber wie jedes jahr ein paar wochen, in denen alle, wirklich alle krank werden, und vor allem immer auch vater und mutter rotzend hustend und fiebernd ihre kinder präentieren. und die gesündesten sind dabei meist die kinder.

ich: "na, sie hats aber auch erwischt."
vater: "jaja, ich war auch schon beim dokter. ich bekomm sogar schon ein antibiotika." (sic!)
ich: "und was hat er da behandelt?"
vater: "na, meine grippe, ich hab ja schon seit´m wochenende fieber."
ich: "mmh. ihre jessica-alina-luisa hat sich wahrscheinlich angesteckt, das ist eben dieser grippige infekt, der gerade rumgeht. das sind virusinfekte, bei denen antibiotika nicht helfen. jetzt kriegt sie nasentropfen und was gegen die leichte bronchitis dabei, das ganze wird sicher vier oder fünf tage dauern, dann ist sie wieder auf dem damm."
vater: "aber wenn sie sich angesteckt hat, braucht sie dann kein antibiotika?" (sic!)
ich: "nein, bei viruserkältungen hilft ein antibiotikum nicht. vielleicht haben sie noch zusätzlich etwas, weil sie ein antibiotikum bekommen haben." (erklärungsangebot für den handelnden kollegen im hintergrund.)
vater: "ne, ne, das habe ich wegen der grippe bekommen, damit ich wieder auffe arbeit kann."
ich: "das wird die sache wahrscheinlich nicht abkürzen. grippale infekte dauern nun mal eine knappe woche."
vater: "mmh. ja, bei mir dauerts jetzt auch schon seit´m wochenende. bisher hat das antibiotika (sic!) auch noch nicht geholfen."

ja. genau. usw.
manchmal denke ich, das habe ich letztes jahr schon mal geschrieben, déjà vu wohin man nur vu.

wusstet ihr, dass kinder- und jugendärzte im hausärztlichen bereich die geringste quote an verordnungen von antibiotika haben? während gleichzeitig die quote der ärztlichen konsultationen pro patient im vergleich zu hausärzten am höchsten ist?