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kohle für die kassenärzte

achja, ganz toll, jetzt haben die grüner-tisch-verhandler der ärzte und krankenkassen und ein ominöser "unparteiischer" eine aufstockung des gehaltes der kassenärzte für das nächste jahr ausgehandelt. in der presse wird das dann sehr plakativ: 2,5 milliarden klingt extrem hoch für die paar 150000 ärzte in der niederlassung.

und natürlich gibt es gleich die entsprechenden reflexe: reduziert auf diese information blöken die kassen gleich das alte lied der beitragserhöhung, dass sie diese steigerung an die patienten weitergeben müssen etc. vielen dank. also die mercedesfahrer bekommen noch mehr geld, als sie eh schon auf den malediven lassen können, und der hartz-iv-empfänger muss das dann auch noch finanzieren.

eine unfaire reduzierung der tatsachen und ein anheizen der sozialdiskussion. zum kotzen ist das.

die ärzte der alten bundesländer werden ihr gehalt vermutlich lediglich halten können, nachdem sie jahrelang im defizit finanziert wurden. die kollegen der neuen länder werden an die alten bundesländer "angenähert" - und bleiben weiter im bundesvergleich unterbezahlt. die honorarreform lässt weiter auf sich warten - ich behandele mehr patienten als noch vor drei jahren und bekomme deutlich weniger geld. 

lauterbach, das bundesgesundheitssprachrohr, unkt schon wieder, keine andere berufsgruppe würde eine solche gehaltsteigerung erhalten - ja toll, aber auch nur, weil wir im letzten jahrzehnt keine erhalten haben. man schaue sich mal die gehaltsentwicklungen anderer selbständiger beruf wie juristen, aber auch politiker (...), bäcker oder metzger an, elektrofacharbeiter usw. usw. 

nur die niedergelassenen ärzte werden gegängelt.

reflex meinerseits als replik, dass diese 2,5 milliarden an den patienten weitergegeben werden: geht mal wieder auf eure krankenkassengeschäftsstelle, zählt mal die mitarbeiter und die stockwerke, zählt die einzelkassen in deutschland (über 200!), dann wisst ihr wieviel geld in die verwaltung der kassen fliessen. 

für meine kohle werde ich dann auf jeden fall eine weltreise machen. und am besten im ausland hängen bleiben, im internationalen vergleich sind ärzte in deutschland absolute normalverdiener.

29.8.08 11:22

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bisher 12 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Rose / Website (29.8.08 16:28)
Yep, die Bauten mancher Kassen sehen auch nach sehr wenig Geld aus (/Ironie).

Ich denke mal, dass es solche Ärzte gibt und solche. Die einen, die sich für manche Behandlungen fett Kohle zahlen lassen (ich kenn da einen plastischen Chirurgen, der sich teilweise den 5,5-fachen Satz bezahlen lässt) und dann die Ärzte, die "normal" abrechnen.


kinderdok / Website (29.8.08 16:43)
@rose /quote/ ich kenn da einen plastischen Chirurgen, der sich teilweise den 5,5-fachen Satz bezahlen lässt /quote/ -- hier wird privat abgerechnet, das hat mit den kassenbeiträgen nichts zu tun. wer 5,5x abrechnet, muss das mit dem patienten besprechen, dieser hat das mit seiner privatversicherung zu klären oder selbst zu zahlen - also liegt die verantwortung beim patienten/versicherung. im gesetzlichen bereich gibt es zu wenig transparenz, d.h. patienten ist nicht bewußt, was der arztbesuch kostet, was dieser wirklich verdient. dann würde schnell deutlich, dass wir für einen fulltime-versorgungsauftrag mit wartungsvertrag pro patient gerade mal 50 euro pro quartal, also 17 euro pro monat sehen. egal wie oft der kommt.


Matthias (29.8.08 17:54)
Interessant, das mal von der anderen Seite zu lesen.
Zu dem was Rose sagt, gab es letztens einen Artikel bei Spiegel Online, aber das ist ja auch nicht das Qualitätsmagazin schlechthin.


Christian (30.8.08 19:13)
Tröste dich, wir Apotheker verdienen uns ja auch "dumm und dämlich", sodass die Gebühr für die Abgabe von Medikamenten weiter gesenkt werden kann und sowieso alles im Zweifel erstmal retaxiert wird. Und das für ein Gehalt, das man z.B. in den USA als angestellter Apotheker bekommt, ohne Verantwortung zu tragen oder Arbeitsplätze zu schaffen und zu unterhalten.


Assistenzarzt / Website (30.8.08 21:00)
Jedes mal, wenn es heißt, dass die Ärzte Schwerverdiener sind, dann kommt so das Bild des niedergelassenen Chirurgen mit Praxis in der Fußgängerzone und Porsche Cabrio auf. Dass dieses Bild in der Regel nur auf Privatpraxen mit einem Patientenspektrum der Upper Class sind, geht den wenigsten auf. Ich will nicht sagen, dass Ärzte Geringverdiener sind, das stimmt nicht. Im Vergleich zu Friseuren und anderen gehts uns gut. Aber es kann nicht sein, dass ein mecklenburgischer Patient mit 1/3 weniger behandelt werden muss als ein bayerischer. Patienten zweiter Klasse nur weil sie im falschen Bundesland wohnen? Es kann auch nicht sein, dass man für 17 Euro pro Monat z.B. multimorbide Patienten behandeln muss oder psychisch Kranke, die einen höheren Behandlungsaufwand haben und extrem häufig Arztkontakte haben. Wenn ich mein Auto reparieren lasse, zahle ich einen wesentlich höheren Stundenlohn laut meiner letzten Rechnung. Ich wäre dafür, den Patienten "Rechnungskopien" auszuhändigen, damit sie wissen, was ihre Behandlung kostet und andererseits auch mal sowas wie den Bund für Steuerzahler nur für Krankenkassen ins Leben zu rufen. Wenn ich daran denke, wie oft ich Post von meiner Kasse kriege mit Werbung für irgendwelche Dinge und von wieviel verschiedenen Orten die abgeschickt werden, teilweise nur Selbstdarstellungen wie gut man ist, wie oft ich angerufen werde um in neue Tarife zu wechseln oder ähnliches. Das kostet auch Geld und nicht alles davon ist nötig.


Nicolas (30.8.08 22:23)
Was mich als Arbeitgeber immer wieder begeistert ist die ungeheure Kompetenz der Krankenkassen, die wegen ihres knappen Mitarbeiterstammes leider monatelang nicht merken, dass sie Geld für jemanden bekommen, den sie leider nicht versichern wollen und sich leider auch überfordert fühlen, ihren Versicherten zeitnah den Stand ihres Versicherungsverhältnisses mitzuteilen...


leocat (31.8.08 00:17)
Also, mein Mann ist Elektrofacharbeiter - im letzten Jahr gabs irgendwas um 3% - was in der Tasche genau 12,38 ausmacht, weil die Abgaben den Rest auffressen... Also in anderen Branchen isses nicht anders.
Ich arbeite in einer sehr kleinen Firma (vier Leute, davon Drei aus der Familie, ich als einzige "Externe") , Vollzeit, lt Statistik für Westdeutschland bin ich Geringverdiener und meine Cheffin hat mir dieses Jahr effektiv 7,5% gegeben (Woah!) - durch die Streichung der Pendlerpauschale habe ich unterm Strich trotzdem weniger. Keinem von uns geht's schlecht, oh nein - uns geht''s her oben im Vergleich noch gut. Wenn ich z.B. meinen Vater in Sachsen-Anhalt - gestandener Ingenieur - mit 1500 netto bei 6 Tage-Woche als Leitender Angestellter mit Prokura nach Hause kommen sehe, kommt mir das blanke Grausen. Das verdient mein Gatte als einfacher Angestellter hier im Großhandelstarif. Fast könnte man meinen, die ostdeutschen Ärzte können froh sein, dass sie überhaupt so was wie einen Tarif bekommen... *bitter lächel*


noumenon (1.9.08 08:47)
also im spiegel stand letztens, dass niedergelassene allgemeinmediziner, die wohl am geringsten bezahlten ärzte, nach abzug von allen praxiskosten und versicherungsbeiträgen ca. 4.900,- euro netto verdienen. ich weiß jetzt natürlich nicht, ob das stimmt, und wieviele arbeitsstunden so ein niedergelassener arzt tatsächlich arbeitet. jedoch halte ich das jetzt nicht für einen zu geringen lohn im vergleich mit berufen, die eine ähnlich lange ausbildungszeit benötigen, und wo die leute so um die fünfzig/sechzig stunden pro woche arbeiten. (übrigens haben die niedergelassenen rechtsanwälte, die ich kenne, nicht so ein gehalt - politiker, arbeit und ihr salär passen eh nicht zusammen)

ich kann aber durchaus den frust der ärzte verstehen. schließlich ist bei ihnen wohl eher ein trend nach unten zu bemerken. und dieses kassensystem kann ärzte (und patienten) wirklich wahnsinnig machen, zumal da jede menge angestellte sitzen, die unverdient einen haufen geld bekommen. ich finde es besonders ärgerlich, dass eine gesundheitsreform durch lobbyisten verhindert wurde. vielleicht sollten ärzte doch noch mal streiken und die zeit dazu nutzen, unabhängig von verbänden und organisationen usw., ihre utopie eines gerechten, funktionierenden gesundheitssystems zu entwickeln.


kinderdok / Website (1.9.08 10:02)
@noumenon - der durchschnittliche allgemeinmediziner verbringt 60-70 Stunden pro Woche in seiner praxis - ergibt mit dem o.g. nettolohn (den ich sehr bezweifle) ein stundensalär von 18 euro. mein elektriker wollte letztens 45 euro für eine meisterstunde. aber brutto ist nicht immer netto und umgekehrt. ;-)


Maria (1.9.08 19:29)
Hier in Österreich ist es üblich, dass die Krankenkassen den "Kunden" (also uns) jährlich ein Schreiben schicken in dem steht, wieviel die KK im vergangenen Jahr für welchen Arzt bezahlt hat. Ich hab 2 Kinder (1 u. 2,5 Jahre) und gehe ca. 1-2x im Monat zum Ki-Arzt (U-Heft, Kontrollen, Impfungen, Infekte...). Der Kinderarzt hat im letzten Jahr schlappe 300.- mit uns verdient. Im Jahr, bitte! Ich frage mich ernsthaft, wie er davon leben kann! Ich erlebe ja selbst, wieviel Zeit wir beanspruchen.


kinderdok / Website (1.9.08 21:57)
@maria - mein "patientenschnitt" liegt bei 40 euro pro quartal, macht 160 euro pro jahr. wohlgemerkt: da macht es kein unterschied, ob ein kind einmal im quartal kommt oder zehnmal.


Assistenzarzt / Website (3.9.08 19:48)
4900 Euro NETTO für einen Allgemeinmediziner...hmmm... als leitender OA kriegt man laut Marburger Bund Tabelle ca 5000 oder knapp drüber BRUTTO. Da wunderts mich, dass es da überhaupt noch soviele unbesetzte Allgemeinmedizin-Kassensitze gibt, wenn da tatsächlich so ein Goldregen auf die niedergelassenen Allgemeinmediziner prasselt... Ich halte die Zahl für unrealistisch. Wie auch immer sie errechnet wurde... wenns tatsächlich so wäre, dann hätten wir kein Problem, Praxisnachfolger zu finden in immer mehr Regionen. Dann gäbs auch kein Problem, Assistenzärzte in den Praxen vernünftig zu bezahlen, anstatt ihnen nur die Förderung der KVen weiterzureichen.